Claus Peymann wagt die These, es habe für den franzosenhassenden Kleist, diesen "Gefühlsterroristen", nur wenig zum Dschihad-Krieger gefehlt, und er sei in die damalige Theaterlandschaft "wie eine Artillerierakete" gefahren. Sein Fazit: Wenn er dafür früh sterben musste, dann war es eben so, und es war gut.

Gar nicht gut leider ist, dass die Regisseure Simone Dobmeier, Hedwig Schmutte und Torsten Striegnitz sich damit nicht begnügen wollen. Ihre Doku soll in 51 Minuten alles sein, Krimi, Literaturgeschichte, Biografie von der Geburt bis zur Obduktion, und das mit allen Mitteln, die der zeitgenössische Dokumentarfilm zu bieten hat: Reenactment mit Alexander Beyer als finster blickender, grimassenschneidender Dichter und Meret Becker als Kindfrau Henriette. Comicstrip im Stil von Waltz with Bashir .

Historienfilm mit im Schlamm stapfenden Soldatenstiefeln. Hektische Reportage, die, kaum dass das Wort "Reisen" fällt, unzählige Autobahnbilder aneinander schneidet. Dazu noch ein von Nina Hoss gesprochener Off-Kommentar, der mit Banalitäten aufwartet, wie dass Kleist sich "sein Leben lang nach Liebe und Nähe gesehnt" oder "schließlich jede Orientierung verloren" habe.

Am Ende bleiben nur Kleist-Häppchen übrig. Wie gern hätte man einfach nur den Experten im Interview gelauscht, ohne eine Bildregie, die durch Overacting ihr Thema verrät. Sprache ist Kraft, lehrt uns Kleist. Man muss ihr nur trauen. Auch im Fernsehen.

"Die Akte Kleist", am 28. März um 21.55 Uhr auf Arte

Aus dem Tagesspiegel