Helmut Thoma, ehemaliger Programmchef des Privatsenders RTL, hat es einmal trefflich beschrieben: "Wer im Seichten badet, kann nicht ertrinken."

Das seichte Gewässer des Infotainment und des Boulevardjournalismus scheint grenzenlos. Wir leben in einer Informationsgesellschaft, in der wir mit einem Überangebot an Nachrichten aus allen Ecken der Welt überschüttet werden. Die enorme Bedeutung der Medien und ihre politische und ökonomische Macht sind offensichtlich. Die Medien haben Kontrolle über viele Menschen, die mit der Fülle verlockender Inhalte nicht umzugehen wissen.

Wer sich über die Machenschaften der Boulevardpresse wie zum Beispiel der eingestellten Murdoch-Zeitung News of the World entrüstet, blendet Folgendes aus: Unser Interesse an Boulevardjournalismus ist schier unerschöpflich. Wir wollen jedes schmutzige Detail der Bunga-Bunga-Affäre erfahren. Wir wollen wissen, wie verliebt das Fürstenpaar von Monaco wirklich ist. Wir sind die millionenfachen Funken, die das Feuer des Boulevards am Brennen halten.

Seichte News verkaufen sich leichter als Schwerverdauliches. Leser setzen sich kaum mit Panzerlieferungen oder Rettungsschirmen auseinander, wenn die nächste Seite schon wieder private Details über Stars und Sternchen bietet. Das Desinteresse an politischen oder wirtschaftlichen Themen hängt sicherlich auch mit deren Komplexität zusammen. Nicht jeder Normalbürger kann in seiner Freizeit Politikwissenschaftler oder Wirtschaftsweiser werden. Außerdem ist der Mensch ein Herdentier, er kann sich Klatsch schwer entziehen, wenn alle darüber reden.

Und so siegt am Ende häufig das Seichte. So läuft die Maschinerie der Enthüllungen, schamlosen Details und Diffamierungen wie geölt. Jeden Tag aufs Neue. Irgendwie sind wir alle Spanner und laben uns an Geschichten und Nachrichten, die wir selbst nie über uns preisgeben würden, weil uns unsere eigene Privatsphäre wichtig ist. Wie heuchlerisch.