Die Frauenfußball-WM ist zu Gast bei Freunden. Es frohlocken die Plasbergs, Wills und Beckmanns: Gleichberechtigung ist wieder ein Thema. Einfach alte Bekannte vor die Kameras setzen und die üblichen Positionen aufeinanderprallen lassen. Doch das Thema Gleichberechtigung ist viel facettenreicher, als es die Talkshows und der Trubel um kickende Frauen vermuten lassen.

Natürlich ist es gut, dass der Frauenfußball mit Zuschauerzahlen im Millionenbereich ein weiteres Tabu zu brechen scheint. Natürlich ist es gut, dass immer mehr junge Frauen sich in neue Bereiche vorwagen, ob im Sport oder im Beruf. Zahllose Artikel und Reportagen berichten jubelnd davon. Aber: Brauchen wir das noch? Ist unsere Gesellschaft noch so chauvinistisch, dass wir jeden Schritt, den eine Frau auf unbekanntem Terrain macht, als großen Schritt für die Menschheit zelebrieren müssen?

Nein, denn mittlerweile gibt es einen Verlierer in dieser Entwicklung und der heißt: Jungen. Still und heimlich entgleiten sie unserer Gesellschaft. Auch wenn die Welt der Erwachsenen immer noch geprägt ist von Männern in Spitzenpositionen, zeigt jede Diskussion über Gleichberechtigung, wie sehr wir junge Männer in den entscheidenden Punkten vernachlässigen.

Egal ob ein kleiner Junge später mal Spitzenmanager oder Ingenieur wird (um die Klischees zu bedienen), wächst er zunächst auf mit der Erziehung seiner Mutter, der Ordnung seiner Erzieherin und den Regeln und Noten seiner Lehrerinnen. Keine Spur von männlichen Vorbildern. Keine Spur von männlichem Verständnis für die extrovertierte Art sich zu entwickeln, für Raufereien, lautes Schreien, körperliches Kräftemessen.

Stattdessen leben Jungen in einer Welt, in der Mädchen in allen Bereichen gefördert werden. Schon für die jüngsten gibt es einen Girl's Day, der jungen Frauen einen Tag lang Einblicke in sogenannte Männerberufe gibt. Die introvertierte Entwicklung von Mädchen wird bevorzugt: Tuscheln und Zettelchen schreiben stört den Unterricht nicht in dem Maße, wie es ein umherfliegender Ball tut. Wichtig ist, dass wir auch diese Aspekte bedenken, wenn wir über Gleichberechtigung diskutieren.