Die wichtigen Themen Schwangerschaft und Geburt kommen sowohl in der Gesundheitspolitik als auch in der Bildungspolitik eindeutig zu kurz. Mein Eindruck ist, dass die Menschen sich immer weniger mit diesen Vorgängen auseinandersetzen und immer schlechter darüber informiert werden – abgesehen vom Biologieunterricht während der Schulzeit und dem jährlichen Besuch beim Frauenarzt.

Dadurch ist die Zahl der verängstigten und nicht genügend informierten Schwangeren hoch. Häufig werden Frauen sogar erst während der Entbindung mit Vorgängen konfrontiert, die vorher schon hätten besprochen werden müssen. Viel zu oft findet die Geburt unter starkem Zeitdruck und mit Medikamenteneinsatz statt. Nicht zuletzt könnte die mangelnde Aufklärung ein Grund sein für die hohe Kaiserschnittrate, die im letzten Jahr bei 29 Prozent lag.

Die Medizin ist zwar weit vorangeschritten und moderne Kreißsäle zeichnen sich durch einen hohen technischen Standard und gutes Personal aus. Aber leider hat der Fortschritt auch eine Arbeitsweise mit sich gebracht, die auf Schnelligkeit und Effizienz ausgerichtet ist.

Es fehlt an persönlicher, individueller Unterstützung durch einfühlsame und kompetente Fachkräfte. Eine gute psychologische und soziale Betreuung – bereits während der Geburt und in den ersten Stunden danach – sollte die Basis für die so wichtige Mutter-Kind-Beziehung bilden.

Diese Betreuung gibt es: in Form von Hausgeburtshilfen und Geburtshäusern, in denen Hebammen ihre Tätigkeit ausüben. Allerdings wird sie nur selten genutzt. Die Zahl der außerklinischen Geburten betrug in den letzten Jahren durchschnittlich ein bis zwei Prozent.

Vermutlich werden diese Alternativen in Zukunft noch seltener zur Verfügung stehen. Für Hebammen auf freiberuflicher Basis wurde im vergangenen Jahr die notwendige Haftpflichtprämie auf bis zu 5.400 Euro angehoben. Vielen Hebammen wird diese Erhöhung die Existenzgrundlage genommen haben.

Somit ist abzusehen, dass die außerklinischen Alternativen auf lange Sicht keinen Bestand haben werden und dass künftige Generationen ausschließlich im Krankenhaus das Licht der Welt erblicken werden – schnell und effizient.