Unsere Kleinstfamilie besteht aus meinem Sohn, meiner Tochter und mir. Wir sitzen am Frühstückstisch. Die Müdigkeit und das Schweigen werden durch einen Satz unterbrochen, der mich erschreckt und mich noch tagelang beschäftigen wird: "Mama, in 2.000 Jahren oder so gibt es die Erde nicht mehr", sagt mein neunjähriger Sohn.

Er sagt es ganz nüchtern, ganz ruhig. Er erzählt mit einer Resignation in der Stimme, die mir Angst macht, dass Kanada aus dem Kyoto-Abkommen ausgetreten ist und sich nicht mehr verpflichtet fühlt, weniger CO2 in die Atmosphäre zu pusten.

Und er, der Neunjährige, zieht daraus den Schluss, dass die Erde ihrem Ende entgegensteuert – wenn keiner sich kümmert, keiner sich an Abkommen hält und niemand ernsthaft dazu bereit ist, etwas zu ändern. Politiker, so schnaubt er wütend, interessieren sich nicht für unsere Erde. Die labern nur und bewegen nichts.

Es war keine Frage, die mir mein Sohn gestellt hat. Er will sich nicht vergewissern, ob ich es auch so sehe. Er stellt fest. Was macht mehr Angst? Dass ein neunjähriger Junge eine derart erschreckende Zukunftsprognose entwirft? Dass er den Politikern keine Kompetenz zuspricht, dieses Problem zu lösen? Dass er seinen Mitmenschen nicht zutraut, ihr Verhalten zu ändern?

Wir sind keine Familie, in der Umweltschutz und Nachhaltigkeit exzessiv praktiziert werden. Wir achten nicht überdurchschnittlich stark darauf, wie man mit Ressourcen bewusster umgeht. Immerhin, es gibt ein Bewusstsein bei uns, es gibt manche Entscheidungen, die überdacht werden. Und es gibt Ansätze, die wir verfolgen, wenn wir sie mit vergleichsweise geringem Aufwand realisieren können.

Das Gespräch am Frühstückstisch hat mir Hoffnung gemacht, dass die junge Generation, zu der mein Sohn gehört, aufmerkt und das Problem erkennt. Dass sie den großen Handlungsdruck spürt und in späteren Jahren vielleicht auch in Taten umsetzen kann. Dass diese Wut auf die machthabende und gleichzeitig so machtlose politische Klasse dazu führt, selbst endlich aktiv zu werden.

Vielleicht unterschätzen wir sie, die Generation Wii, die sich in virtuellen Welten manchmal besser auszukennen scheint als in der realen Welt. Ich arbeite daran, jetzt noch mehr als zuvor, dass meine Kinder ihren Kopf benutzen, sich informieren und sich einbringen. Vielleicht ist das genauso wichtig wie einfach mal das Auto stehen zu lassen oder Ökostrom zu beziehen.