Die Bundesregierung will den Anteil von Migranten im öffentlichen Dienst deutlich erhöhen. Die derzeitige Quote von 9,9 Prozent sei bei Weitem nicht ausreichend, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer ( CDU ) nach dem 5. Integrationsgipfel im Bundeskanzleramt . "Der öffentliche Dienst hat eine Vorbildfunktion, wenn es um den Arbeitsmarkt geht", sagte die Staatsministerin. Künftig solle es auch mehr Migranten in Spitzenfunktionen geben.

In Schulen, Kindergärten, Polizei und Verwaltung sind Migranten – gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung – nach wie vor unterrepräsentiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verwies darauf, dass mit einer neu gestarteten Anzeigenkampagne und der Internetseite wir-sind-bund.de gezielt für Bewerber im öffentlichen Dienst geworben werden solle. So gebe es etwa bei der Feuerwehr noch viel zu wenige Migranten. "Da ist der Sport schon weiter", sagte sie. Auch bei den Medien müsse der Anteil an Zuwanderern erhöht werden.

Merkel sagte, mehr Migranten bei der Polizei und anderen Sicherheitsinstitutionen könnten das Vertrauen der Zuwanderer in diese stärken. Nach Bekanntwerden der rechtsextremen Mordserie an neun Geschäftsinhabern türkischer und griechischer Herkunft sowie an einer Polizistin war das Vertrauen von Zuwanderern in deutsche Sicherheitsbehörden erheblich gesunken .

Nationaler Integrationsplan

Merkel wie Böhmer sprachen von einer "neuen Willkommenskultur" für Migranten in Deutschland. Angesichts des demografischen Wandels sei das Thema dringender denn je, sagte die Bundeskanzlerin. "Wir werden mehr Menschen mit Migrationshintergrund sein", sagte Merkel. Das sollte als Chance, nicht als Bedrohung gesehen werden. "Wir sagen sehr deutlich: Ihr gehört dazu", sagte Böhmer.

Verabschiedet wurde bei dem Treffen der Nationale Aktionsplan Integration , der verbindliche und messbare Ziele der Politik vorgeben soll. Darin geht es vor allem um Sprache, Bildung und Ausbildung sowie den Arbeitsmarkt mitsamt der Förderung für den Öffentlichen Dienst. "Wir müssen vor allem von den Modellprogrammen schrittweise zu dauerhaften Angeboten für eine verbesserte Integration kommen", sagte Merkel. Dafür sei der jetzt verabschiedete Aktionsplan "die nächste Stufe".

"Herzen und Köpfe erreichen"

Der Vize-Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschlands, Ali Ertan Toprak, sagte, in der Integrationspolitik seien in den letzten Jahren mehr Fortschritte erzielt worden als in den Jahrzehnten zuvor. Aber oftmals konzentrierten sich die Anstrengungen auf Defizite von Zuwanderern oder technische Fragen der Integration. "Es ist an der Zeit, die Herzen und Köpfe aller Menschen zu erreichen", sagte er. "Wir brauchen die zweite Deutsche Einheit." Migranten würden sich als Teil der Gesellschaft sehen und als Deutsche fühlen. Deshalb sei das Wort eigentlich falsch.

Kritik am Integrationsgipfel kam von den Grünen und Linken. Der Sprecher für Migrations- und Integrationspolitik der Grünen-Fraktion, Memet Kilic, sprach von einem "symbolischen Kaffeekränzchen". Er verlangte niedrigere Hürden für Einbürgerungen und eine Ausweitung des Kommunalwahlrechts auf Nicht-EU-Bürger. Die Linken-Vorstandsmitglieder Ali Al Dailami und Katina Schubert forderten umfassende Reformen des Staatsangehörigkeitsrechts und des Wahlrechts sowie einen Aktionsplan gegen Rassismus.