Europa in Krisenzeiten: Menschen gehen auf die Straße und protestieren über die Missstände im System. Dass wir an deren Entstehung aber genauso beteiligt sind, wird dabei meist ausgeblendet. Wir prägen die Wirtschaft mindestens genauso, wie wir von ihr geprägt werden. Denn wir sind Kapitalisten, wie wir auch Europäer sind.

Viele von unseren Problemen entstehen durch Standards, auf die wir nicht mehr verzichten wollen: Das Handy sollte nicht älter als zwei Jahre sein und nicht dicker als ein Briefumschlag. Die Digitalkamera muss die höchste Pixelauflösung haben und der Urlaub an überteuerten Stränden Spaniens stattfinden.

Wir haben uns an ein privilegiertes Leben gewöhnt. Unser täglicher Konsum geht über das hinaus, was wir tatsächlich benötigen. Die Verschwendung von Essen, Strom und Kleidung gehört auch dazu.

Von der Politik erwarten wir nachhaltiges, soziales und humanes Handeln. Zuerst sollten wir aber dazu bereit sein, selbst so zu handeln. Das Auto, das Haus und der LCD-Fernseher sollten nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Auch Unternehmer könnten ihre Geschäftsbeleuchtung über Nacht ruhig einmal ausschalten.

Es gibt immer Alternativen. Doch zu denen müssen wir bereit sein. Wir müssen Verantwortung übernehmen und uns von dem Gedanken verabschieden, dass der Staat und die Politik uns zum Umdenken bringt. Die Aufgabe der Politik ist es, die Ideen umzusetzen, die wir als Gesellschaft entwickeln. Und Ideen haben wir doch genug.