Die französische Justiz ermittelt nach dem tödlichen Attentat vor einer jüdischen Schule in Toulouse wegen des Verdachts auf Terrorismus. Die für Terrorismus zuständige Staatsanwaltschaft in Paris nahm Ermittlungen in den drei Fällen auf, wie Staatsanwalt François Molins mitteilte. Es gehe um "Mord und versuchten Mord im Zusammenhang mit einer terroristischen Vereinigung".

Ein Mann hatte am Montagmorgen vor der jüdischen Schule Ozar Hatora in Toulouse vier Menschen getötet, unter ihnen drei Kinder. Ein Jugendlicher wurde schwer verletzt. Augenzeugen zufolge schoss der Täter von einem Motorroller aus auf eine Gruppe von Kindern und Eltern.

Bei der Tat wurde nach Erkenntnissen der Polizei die gleiche Waffe benutzt wie vergangene Woche bei Schüssen auf französische Soldaten in Toulouse und im nahe gelegenen Ort Montauban. Aus Polizeikreisen hieß es, es handele sich um eine Schusswaffe vom Kaliber 11,43 Millimeter. Auch der Motorroller war Ermittlern zufolge bei allen drei Angriffen derselbe. Der Motorroller der Marke Yamaha vom Typ T-Max sei vor über einer Woche in Toulouse gestohlen worden. Bei den vorherigen Taten hatte der Täter seine Opfer ebenfalls am helllichten Tag niedergeschossen.

In Toulouse war ein Fallschirmjäger getötet worden, in Montauban starben zwei Fallschirmjäger, ein weiterer wurde lebensgefährlich verletzt. Alle Opfer sollen nordafrikanischer Abstammung sein. Angesichts dessen befürchtet die Organisation "SOS Rassismus", dass es sich um ein rechtsextremes Verbrechen handeln könnte.

Minister hatte Täter für verrückt erklärt

Bevor die Tat in Toulouse bekannt wurde, hatte Verteidigungsminister Gérard Longuet noch gesagt, der Täter sei wahrscheinlich ein Verrückter. Allerdings wolle er auch nicht ausschließen, dass es sich um ein terroristisches Verbrechen handele, fügte Longuet im Sender LCI hinzu.

Der französischen Polizei zufolge ist das Motiv bislang unklar. Sie hatte in den vergangenen Tagen intensiv nach dem Täter gesucht und wegen der Mordanschläge eine Sonderkommission eingerichtet. Dabei verfolgt die Polizei mehrere Hypothesen. Sie reichen von der Vermutung einer Wahnsinnstat eines traumatisiert aus Afghanistan zurückgekehrten Militärs bis zu möglichen Racheakten zum Jahrestag des Abkommens von Evian, das sich am Sonntag zum 50. Mal jährte. Es hatte 1962 den Kolonialkrieg beendet und dem damaligen Französisch-Algerien den Weg in die Unabhängigkeit geebnet.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso , Außenminister Guido Westerwelle und der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu verurteilten den Angriff. Netanjahu sagte, er könne nicht ausschließen, dass es sich um einem Akt "gewaltsamen und mörderischen Antisemitismus'" handele. Der Sprecher des israelischen Außenministeriums, Jigal Palmor, äußerte sich in einer Erklärung "tief schockiert". Israel vertraue darauf, "dass die französischen Behörden diese Tragödie vollständig aufklären und die Täter vor Gericht bringen".

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy traf wenige Stunden nach der Tat in Toulouse ein. Er bezeichnete den Anschlag als "nationale Tragödie". Zu den Eltern sagte Sarkozy: "Das sind nicht nur eure Kinder, das sind auch unsere Kinder." Der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande sagte seine Termine ab und kündigte ebenfalls einen Besuch in Toulouse an.

Die französische Regierung ordnete nach der Tat eine verschärfte Überwachung aller jüdischen Schulen im Land an. Das Land hat mit 600.000 Juden die größte Gemeinde in Europa . Die Armee hatte die Kontrollen verstärkt und die Soldaten angewiesen, nur noch in Zivil die Kasernen zu verlassen. Am Dienstagvormittag soll eine nationale Schweigeminute abgehalten werden.