Alp Inançli ist hochkonzentriert – der 20-Jährige füllt Champignons. Michael Zimmer schneidet derweil Gurken in Scheiben. Sechs junge Leuten versammeln sich um den Tisch im Wohnzimmer, um gemeinsam zu essen. WG-Alltag – aber auf Zeit.

Lena, Michael, Pascal, Kaj, Maike und Alp leben für drei Wochen in einer Wohngemeinschaft in Bremen . Sie bereiten sich auf ihre Abi-Klausuren ab Mitte April vor. Ganz nebenbei haben sie die Möglichkeit, das Leben außerhalb des "Hotel Mama" zu erfahren, als Generalprobe für einen neuen Lebensabschnitt.

Die Jugendlichen besuchen fast alle das gleiche Gymnasium. Nur Maike Mader ist durch eine Anzeige in den lokalen Medien auf das Projekt aufmerksam geworden. Sie fühlt sich aber wohl unter den anderen Abiturienten.

Die St. Martini-Kirchengemeinde Lesum stellt den 17- bis 19-Jährigen für insgesamt drei Wochen ein Haus zur Verfügung. Ganz auf sich gestellt sind sie aber nicht. Jan Timo Bäumler, 23 Jahre alt, leitet die WG ehrenamtlich. Er und die 19-jährige  Maike Baumheier, die in der Gemeinde ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) macht, helfen bei den Abi-Aufgaben.

Die Bremer lassen sich vor allem auf dieses Experiment ein, weil sie sich so besser zum Lernen motivieren können. "Eigentlich hätte ich schon vor einem halben Jahr beginnen müssen", sagt zum Beispiel Kaj Neumann: "Aber ich habe es immer beiseite geschoben." Auch Maike Mader sagt: "Ich würde mich zu Hause sehr leicht ablenken lassen."

In der Abi-WG können die Bewohner sich gegenseitig helfen – und es sei eine Kombination von Lernen und Spaß, sagen sie.  FSJlerin Baumheier ergänzt: "Wenn es hakt, können wir Teamer helfen. Im Zweifelsfall geben auch einige der Lehrer Hilfestellung."  Maike Baumheier hat erst im vergangenen Jahr Abitur gemacht, deshalb fällt es ihr leicht, die Lernfortschritte der WG zu kontrollieren.