Die Nationale Stelle zur Verhütung von Folter hat in mehreren deutschen Gefängnissen Missstände festgestellt. Diese seien inakzeptabel, hieß es in ihrem neuen Bericht. Anzeichen für Folter gebe es allerdings nirgends. Inspiziert wurden Einrichtungen von Polizei, Bundeswehr und Zoll, darunter Justizvollzugsanstalten und psychiatrische Kliniken.

Besonders bemängelten die Prüfer eine übermäßige Überwachung. In vielen Fällen würden die Häftlinge beim Toilettengang per Video oder Weitwinkelspion kontrolliert. Dies sei eine Verletzung der Intimsphäre. Die Antifolterstelle fordert, die Toilettenecke auf dem Videobild unkenntlich zu machen.

In dem Jahresbericht werden auch zu kleine Zellen mit wenig Tageslicht oder Frischluft kritisiert. Außerdem würden Gefangene oft nicht hinreichend über ihre Rechte aufgeklärt. In psychiatrischen Kliniken fehle es an Therapeuten, wie in der Klinik Lippstadt in Nordrhein-Westfalen .

Über eine Inspektion in der Jugendstrafanstalt Berlin schrieben die Prüfer: "Der besonders gesicherte Haftraum befand sich (…) in einem unhygienischen, ekelerregenden Zustand." Die fleckige Schaumstoffmatratze sei mit toten Insekten übersät gewesen. Toilette und Wasserspender waren verdreckt. "Diese Form von Verschmutzung kann als Verletzung der Menschenwürde empfunden werden."

Man habe bereits zahlreiche Empfehlungen an die zuständigen Aufsichtsbehörden gegeben, hieß es von der Antifolterstelle. Nach solchen Beschwerden erhalten die Justizbehörden Gelegenheit zur Stellungnahme. Oft gingen die Berichte dann aber nur schleppend ein, sagten die Mitarbeiter der Antifolterstelle.

Im Berichtszeitraum 2010/2011 gab es 42 Inspektionsbesuche. Die Wiesbadener Einrichtung zur Verhütung von Folter überwacht seit 2008 die Zustände in Justizvollzugsanstalten und ähnlichen Einrichtungen. Gegründet wurde die Stelle 1984 auf Grundlage des Folterverbotes der Vereinten Nationen .

Der neue Jahresbericht wurde erstmals gemeinsam für Bundes- und Länderbehörden erstellt. Ab dem 5. April 2012 ist der Bericht online einzusehen.