Der Möbelhändler Ikea will mithilfe der Stasiunterlagen-Behörde klären, ob für Auftragsarbeiten in der DDR politische Gefangene zur Arbeit gezwungen wurden. Ikea habe bereits mit der Prüfung von Unterlagen der Berliner Behörde begonnen, sagte eine Sprecherin. "Wir nehmen diese Angelegenheit äußerst ernst", sagte sie. Es sei völlig klar, dass der Einsatz von politischen Gefangenen als Zwangsarbeiter für Ikea "total inakzeptabel" wäre. Die Behörde bestätigte, dass Ikea bereits Akten erhalten habe.

Entsprechende Vorwürfe der Arbeit von politischen Gefangenen für Ikea will der schwedische TV-Sender SVT eigenen Angaben zufolge in einer Dokumentation diese Woche veröffentlichen.

Ikea hatte seit den 1960er Jahren Möbel unter anderem in Polen sowie in der DDR fertigen lassen. Die Vorwürfe der Zwangsarbeit von politischen Gefangenen beziehen sich nach Ikea-Angaben auf die Zeit von Anfang bis Mitte der 1980er Jahre. "Bisher sieht es so aus, als ob niemand bei Ikea davon wusste", sagte die Sprecherin. Schon im vergangenen Herbst habe das Unternehmen nach Berichten in deutschen Medien mit eigenen Nachforschungen begonnen.

In der DDR mussten viele Häftlinge für Firmen arbeiten. Auch politische Gefangene, die wegen "staatsfeindlicher Hetze" oder "versuchter Republikflucht" inhaftiert waren, mussten derartige Arbeiten verrichten. Einen Unterschied zwischen solchen Insassen und Kriminellen machten Justiz und Strafvollzug des sozialistischen Staates nicht.

Die Haftinsassen wussten zudem oft nicht, für welche Unternehmen die Produkte bestimmt waren und aus welchem Land die DDR die Aufträge entgegengenommen hatte.

Auch heute arbeiten Haftinsassen, sie sind dazu gesetzlich verpflichtet . Sie tun dies etwa in anstaltseigenen Betrieben oder in Produktionseinrichtungen, die Unternehmen auf dem Gelände betreiben.