Die Bundesanwaltschaft hat gegen die ehemalige RAF-Terroristin Verena Becker eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten beantragt. Becker habe sich wegen Beihilfe zum Mordanschlag auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im Jahr 1977 strafbar gemacht, sagte Oberstaatsanwältin Silke Ritzert vor dem Oberlandesgericht Stuttgart.

Zwei Jahre der Strafe sollen allerdings aufgrund ihrer früheren Haftaufenthalte als bereits vollstreckt gelten.

Becker habe bei der Entscheidung für das Attentat einen entscheidenden Tatbeitrag geleistet, sagte die Anklagevertreterin. Sie habe bei einem Vorbereitungstreffen mit anderen RAF-Mitgliedern auf eine baldige Ausführung des Mordanschlags gedrungen und damit andere Terroristen beeinflusst.

Lebenslange Freiheitsstrafe anrechnen

An der Tat am 7. April 1977 selbst sei Becker jedoch nicht beteiligt gewesen, sagte Ritzert. Ihr Tatbeitrag sei nur als Beihilfe zu werten.

Bei der Strafvollstreckung sei zu berücksichtigen, dass Becker bereits eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßte. Es dürfe der Angeklagten kein Nachteil daraus entstehen, dass die Beteiligung am Anschlag auf Buback nicht bei ihrer früheren Verurteilung mit einbezogen wurde. Deshalb sollten zwei Jahre der Strafe bereits als verbüßt gelten.

Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker hatte Becker 1989 begnadigt. Der neue Prozess begann, nachdem Ermittler Beckers DNA an einem Bekennerschreiben aus der RAF-Zeit gefunden hatten.

Schüsse vom Beifahrersitz

Gäbe das Gericht dem Antrag der Anklage statt, müsste die 59-Jährige nochmals in Haft. Die Strafe zur Bewährung auszusetzen, wäre nicht möglich.

Bei dem Anschlag auf Buback waren die Schüsse vom Beifahrersitz eines Motorrads abgegeben worden. Das Motorrad mit zwei vermummten Schützen hatte neben Bubacks Dienstwagen gestoppt, als dieser in Karlsruhe vor einer Ampel hielt.

Mohnhaupt als Rädelsführerin

Nach früheren Angaben Beckers hatte das damalige RAF-Mitglied Günter Sonnenberg das Motorrad gesteuert. Fahrer des Fluchtautos, das die beiden abholte, soll danach Christian Klar gewesen sein. Der ehemalige RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock wiederum hatte schon 2007 Stefan Wisniewski als einen angeblichen Täter genannt. Auch Becker soll dies schon in den Achtziger Jahren so dargestellt haben, wie 2007 bekannt wurde. Als Rädelsführerin war Brigitte Mohnhaupt verurteilt worden.

Im Verlauf des neuen Prozesses in Stuttgart hatte sich Becker nach langem Schweigen Anfang Mai zum Tatvorwurf erklärt und eine Beteiligung bestritten. Sie habe sich auch an den konkreten Vorbereitungen nicht beteiligt, sagte sie damals.