Die Entdeckung einer Professorin hat neue Spekulationen über eine mögliche Ehe Jesu Christi entfacht. Auf einem Dokument aus dem vierten Jahrhundert steht nach Angaben der amerikanischen Religionshistorikerin Karen King in koptischen Schriftzeichen "Jesus sagte zu ihnen: Meine Frau ...". Es handele sich um die erste schriftlich dokumentierte historische Aussage, dass Jesus verheiratet gewesen sein könnte. Nach dem koptischen Wort "hime" ist der Papyrus abgerissen.

Das etwa visitenkartengroße, leicht vergilbte Dokument ist erkennbar aus einem größeren Stück Papyrus ausgerissen, deshalb sind nur Textfragmente lesbar. Weiter unten steht King zufolge der Satz: "Sie wäre würdig, es zu sein." Die Forscherin von der Harvard Divinity School stellte das Dokument während eines Kongresses von Koptologen in Rom vor.

Jesus soll von Maria gesprochen haben

King zufolge stammt das Dokument möglicherweise aus einem kürzlich entdeckten Evangelium über die Frau Jesu. Der Text sei vermutlich eine Abschrift eines ursprünglich in Altgriechisch verfassten Evangeliums aus der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts. Die Frau, auf die sich das Zitat bezieht, identifizierte King der Nachrichtenagentur dapd zufolge als " Maria ". Es sei kein eindeutiger Beweis, dass Jesus verheiratet gewesen sei, sagte King. "Aber es legt nahe, dass es unter den frühen Christen eine Überlieferung gab, in der Jesus verheiratet war."

Zahlreiche Forscher hätten die Echtheit des Papyrus, auf dem acht Linien Schrift in schwarzer Tinte zu sehen sind, überprüft, sagte King. Für eine abschließende Beurteilung seien allerdings noch weitere Untersuchungen nötig, vor allem von der Zusammensetzung der Tinte. Kritiker warnten, der Text gebe keine Gewissheit darüber, dass die Autoren glaubten, Jesus sei verheiratet gewesen.

Woher das Dokument stammt, ist unklar. Kings Untersuchungen ergaben, dass es aus Ägypten stammen könnte. Der Besitzer, der das Fragment angeblich gemeinsam mit einem Stapel Papyrus von einem früheren Eigentümer aus Deutschland gekauft habe, wolle anonym bleiben.

Seit den Anfängen des Christentums gibt es eine Debatte darüber, ob Jesus mit Maria Magdalena verheiratet gewesen ist und ob er einen weiblichen Jünger gehabt hat. Die Debatte über Jesu Verhältnis zum anderen Geschlecht ist bis heute aktuell, wenn es beispielsweise darum geht, ob Frauen zum Priester geweiht werden dürfen.

Anm. d. Redaktion: Die Übersetzungen der Schrift auf dem Papyrus haben wir nachträglich konkretisiert. Dank eines Leser-Hinweises. So steht auf dem Papyrus nicht explizit "meine Ehefrau", sondern "meine Frau". Die Deutungen der Forscherin King sind damit allerdings keineswegs hinfällig.