Deshalb werden in Deutschland auf jedes zweite Spielzeug Hinweise wie "Fördert die Feinmotorik", "Fördert die Hand-Auge-Koordination" oder schlicht "Pädagogisch wertvoll" draufgepappt. Eltern reicht es  offensichtlich nicht mehr, wenn ein Spiel ihrem Kind oder ihnen selbst einfach Spaß macht. Es geht hierbei wohlbemerkt nicht um Schulartikel und Lernmaterial, sondern nur um die private Freizeitgestaltung.

Hinter all dem Gejammer über neue Medien im Kinderzimmer steckt also auch die schiere Sorge, dass der eigene Sprössling später einmal nicht mithalten kann, wenn er nicht schon mit zwei oder drei Jahren optimal gefördert wird. Schuld daran ist angstgesteuertes und krisengeschürtes Leitungsdenken: Der liebe Nachwuchs soll so schnell wie möglich fit für den Konkurrenzkampf in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt gemacht werden. Kindheit wird entsprechend immer weniger als Zeit der Muße und des zweckfreien Spiels begriffen.

Spiel ohne Förderung ist nicht mehr denkbar. Genuss nur um des Genusses Willens wird nicht mal mehr den Kleinsten vergönnt. Nicht einmal das allererste Spielzeug unseres Sohnes, ein bunter Stoff-Würfel, kam ohne den Hinweis darauf aus, dass hier die Farbwahrnehmung trainiert werde. Trainieren im Alter von acht Wochen. Kein Wunder, dass viele Kinder gern mal aus der für sie vorgesehenen, TÜV-geprüften und mit "spielgut"-Aufkleber versehenen Ordnung ausbrechen und am Bildschirm Quatsch machen.