Deutschland

Homosexualität war hierzulande noch bis 1994 Gegenstand des Strafgesetzbuchs. Seit 2001 können Schwule und Lesben zwar eine eingetragene Partnerschaft eingehen. Gemeinsam können sie bisher aber keine Kinder adoptieren. Seit 2005 ist aber eine sogenannte Stiefkindadoption möglich. Das heißt, eine lesbische Frau kann zum Beispiel das Kind ihrer Partnerin aus einer früheren Beziehung mit annehmen – wenn der leibliche Vater zustimmt. In der Erbschaftssteuer sind Homosexuelle anderen Paaren gleichgestellt. Nicht gleich behandelt werden sie dagegen in der Einkommensteuer und im Familienrecht, wie der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) kritisiert.

Frankreich

Die französischen Revolutionäre waren weltweit die ersten, die Homosexualität legalisierten. Aber das nationalistische Vichy-Regime erklärte sie 1942 wieder zur Straftat. Das blieb so, bis 40 Jahre später François Mitterand Homosexualität wieder entkriminalisierte. 1999 führte Mitterands sozialistischer Nachfolger Lionel Jospin den PACS ein, eine eingetragene Partnerschaft ohne Anrecht auf Adoption. Mit der nun unter François Hollande beschlossenen "Ehe für alle" können Schwule und Lesben auch Kinder adoptieren.

Großbritannien

Zwar wurde erst 1981 im Vereinigten Königreich die gleichgeschlechtliche Liebe entkriminalisiert. Aber seit 2005 haben Schwule und Lesben mit dem Gesetz der Zivilen Partnerschaft nahezu die gleichen Rechte wie Verheiratete, dazu gehört auch die gemeinsame Adoption von Kindern. Derzeit wird außerdem ein Gesetz zur Ehe für alle im Oberhaus verhandelt.

Österreich

In Österreich wurde Homosexualität bereits 1971 legalisiert. Obwohl die Bevölkerung in Umfragen der gleichgeschlechtlichen Ehe gegenüber aufgeschlossen ist, ist ein Recht dazu bisher nicht eingeführt worden. 2009 einigte sich eine Koalition aus der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) lediglich auf das Recht auf eine eingetragene Partnerschaft ohne Adoptionsrecht für Homosexuelle.

Schweiz

Seit 1990 ist Homosexualität nicht mehr Bestandteil des Strafgesetzbuches und seit diesem Jahr ist Homosexuellen auch der Militärdienst erlaubt. Die Bundesverfassung untersagt seit 2000 Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung. Seit 2007 können sich gleichgeschlechtliche Paare "verpartnern lassen". Ein Recht auf eine gemeinsame Adoption bietet ihnen das nicht. Seit Anfang dieses Jahres können homosexuelle Schweizer jedoch immerhin das gemeinsame Stiefkind adoptieren.

Spanien

Seit Herbst vergangenen Jahres ist die Ehe für alle Spanier erlaubt. Sieben Jahre hatten sich die Madrider Richter Zeit gelassen, um über eine Verfassungsklage der konservativen Volkspartei (PP) gegen die Ehe für Homosexuelle zu entscheiden. Dabei war Spanien im Jahr 2005 eines der ersten Länder der Welt gewesen, das homosexuellen Paaren erlaubte, Kinder zu adoptieren.

Portugal

In Portugal gibt es die Ehe für Homosexuelle seit 2010. Anders als im Nachbarland Spanien, wo die katholischen Bischöfe vehement gegen die Einführung protestierten, gab es wenig Widerstand der katholischen Kirche in Portugal. Bisher gibt es für Homosexuelle allerdings noch kein Adoptionsrecht.

Belgien und Niederlande

Belgien und die Niederlande gehörten nach Frankreich zu den ersten Ländern, die gleichgeschlechtliche Handlungen entkriminalisierten. Sie haben heute neben Spanien die lesben- und schwulenfreundlichste Gesetzgebung Europas. In beiden Ländern ist sogar die anderswo umstrittene Leihmutterschaft legal. Laut dem Eurobarometer sind die Niederlande der EU-Staat, in dem die meisten Menschen offen dazu stehen, homosexuelle Freunde zu haben.

Skandinavien

Auch die skandinavischen Länder waren Pioniere für die Gleichstellung homosexueller Paare. 1981 wurde in Norwegen das weltweit erste Antidiskriminierungsgesetz für Lesben und Schwule eingeführt. 1987 wurde in Dänemark die erste gleichgeschlechtliche Partnerschaft geschlossen. Nur bei der Öffnung der Ehe für alle waren andere Länder schneller: Die Norweger ermöglichten sie 2008, die Schweden 2009, die Isländer 2010 und die Dänen 2012.

Östliche EU-Länder

In Osteuropa gibt es bisher nur wenige Länder mit einer eingetragenen Lebenspartnerschaft für Homosexuelle, so zum Beispiel Slowenien oder Tschechien. Homosexuelle werden dagegen meist stark benachteiligt. Laut der EU-Grundrechtsagentur hätten staatliche Stellen in Polen und Litauen in den vergangenen Jahren mehrfach Veranstaltungen von Homosexuellen oder Transgendern ver- oder behindert.  Außerdem sei die Polizei oft "nicht fähig oder willens", die Teilnehmer vor Angriffen zu schützen. Schwule und Lesben würden, so steht es in einem aktuellen Bericht der Agentur, eine "Strategie der Unsichtbarkeit gegenüber Kollegen, Familienangehörigen und Freunden" verfolgen. Im Januar wurde ein Gesetzesentwurf für ein Partnerschaftsgesetz in Polen allerdings nur knapp abgelehnt.

Italien und Griechenland

In einer aktuellen Studie über die Rechte Homosexueller in Europa werden Italien und Griechenland noch schlechter bewertet als die wenig aufgeschlossenen östlichen EU-Staaten. Kritisiert wird, dass Homosexuellen eingetragene Partnerschaften und Familiengründungen nicht ermöglicht werden. Kritisch wird ferner angemerkt, dass die Regierungen beider Länder den Betroffenen wenig staatlichen Schutz vor homophober Diskriminierung und Gewalt böten.