Das Interesse an Stasi-Akten nimmt zu, doch die dafür zuständige Bundesbehörde braucht immer mehr Zeit, die Anträge der Bürger auf Akteneinsicht abzuarbeiten. Die Behörde habe zu wenig Personal, um allen Anträgen zu entsprechen, seit 2011 arbeiteten dort elf Prozent weniger Angestellte, berichtete die Mitteldeutsche Zeitung. Sie berief sich auf Vorab-Informationen aus dem Jahresbericht der Stasi-Unterlagenbehörde, den der Bundesbeauftrate für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, am Dienstag vorstellte.

Immer mehr Menschen aber wollen in den Akten lesen: 2012 gingen 88.231 Anträge auf
persönliche Akteneinsicht ein, 8.000 mehr als im Jahr zuvor. Die Bearbeitungszeit aufwändiger Anträge verlängerte sich laut der Zeitung bereits auf bis zu zweieinhalb Jahre. Zuvor waren es maximal zwei Jahre.

In der Politik beobachtet man die Entwicklung mit Sorge: "Es muss sichergestellt werden, dass nicht noch mehr Personal abgebaut wird", verlangte der Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion für den Aufbau Ost, Patrick Kurth. Im kommenden Jahr werde der 25. Jahrestag des Mauerfalls begangen und 2015 dann die Feierlichkeiten zu 25 Jahre Deutsche Einheit: "In solchen Jubiläumsjahren nimmt die Zahl der Anträge normalerweise noch einmal zu", sagte Kurth.

Mehr Personal ist keine Lösung

Arnold Vaatz, Beauftragter der Unionsfraktion für den Aufbau Ost, sieht das anders: "Die Zunahme der Bearbeitungszeiten in der Stasi-Unterlagenbehörde ist ein bedauerlicher Umstand", sagte er ZEIT ONLINE. "Jetzt neues Personal einzustellen und damit den Bundeshaushalt weiter zu belasten, wäre das falsche Signal." Die Ausgaben des Bundes für die Aktenaufarbeitung seien bereits jetzt hoch, die Perspektive für die Behörde endlich. "Eine Ewigkeitsgarantie kann keiner geben", sagte Vaatz.        

Das weiß auch der frühere DDR-Oppositionelle Jahn, der das Amt im März 2011 von Marianne Birthler übernommen hatte. Er würde das Aufgabenspektrum seiner Behörde gern erweitern. Neben der Aktenerschließung soll sie sich in Zukunft auch mit der Aufarbeitung der DDR-Diktatur profilieren.

93 Prozent erschlossen