Nach den Anschlägen auf dem Boston Marathon hat der Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen vor Terroristen aus dem Kaukasus gewarnt. "Wir beobachten unter anderem die in Deutschland lebenden etwa 200 Anhänger des Kaukasischen Emirats", sagte Maaßen der Zeitung Die Welt.

Das Kaukasische Emirat ist eine militante Gruppe, die von Russland und den USA als Terrororganisation eingestuft wird und Verbindungen zu Al-Kaida haben soll. Anführer ist Doku Umarow, der als meistgesuchter Mann Russlands gilt.

Maaßen zufolge hat die Aufklärung ihrer Aktivitäten für den Verfassungsschutz eine hohe Priorität. "Wir schauen dabei vor allem auf die mögliche Terrorismusfinanzierung und die Gefahren, die dadurch entstehen, dass erfahrene Kämpfer aus dem Kaukasus nach Deutschland geschleust werden", sagte Maaßen. Er schließe nicht aus, dass sich Tschetschenen erst in Deutschland radikalisieren.

Die beiden mutmaßlichen Täter der Bombenanschläge, Dschochar und Tamerlan Zarnajew, stammen aus Tschetschenien. Vor dem Anschlag am 15. April lebten sie zehn Jahre in den USA. Tamerlan war im Jahr 2012 unerkannt von einem Besuch im Kaukasus in die USA zurückgekehrt. "Nach bisherigem Stand haben wir es nicht mit einem neuen Täterprofil zu tun", sagte Maaßen. "Das Bundesamt weist seit Langem auf die besonderen Gefahren selbst radikalisierter Täter hin, die nicht an internationale Terrorgruppen angebunden sind."

Deutschland sieht er nach wie vor gefährdet, Ziel eines Attentats zu werden: "Die Gefahr von Terroranschlägen ist unverändert hoch. Deutschland steht weiterhin im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus", sagte Maaßen. Aktuell würden aber keine konkreten Hinweise vorliegen, dass Islamisten in Deutschland einen Anschlag planen.