Im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht (OLG) hat Bundesanwalt Herbert Diemer am zweiten Verhandlungstag nach einigen Unterbrechungen die Anklage verlesen. Angeklagt sind die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe sowie vier weitere Beschuldigte .

Zschäpe schwieg auch am Dienstag vor Gericht weiter zu den Vorwürfen. Sie wollte nicht einmal ihren Namen sagen. "Sie wird keine Angaben zur Person machen", sagte ihr Verteidiger Wolfgang Heer. Die 38-Jährige soll mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) gebildet haben. Der Terrorzelle werden die Morde an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleingewerbetreibenden und einer deutschen Polizistin zur Last gelegt. Zschäpe ist der Mittäterschaft angeklagt – ihr droht lebenslange Haft. 

Der zweite Verhandlungstag vor dem OLG war schleppend angelaufen. Am frühen Nachmittag lehnte das Gericht den Antrag von Zschäpes Anwälten auf Aussetzung des Verfahrens und die Verlegung der Verhandlung in einen größeren Sitzungssaal ab. "Strafverfahren finden in, aber nicht für die Öffentlichkeit statt", sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl . Zschäpes Verteidiger hatten die Verlegung beantragt. Sie argumentierten, die Beteiligten und die Vertreter der Öffentlichkeit könnten "das prozessuale Geschehen nicht hinreichend verfolgen".   

Das Verfahren um die NSU-Mordserie gilt als einer der bedeutendsten Strafprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Prozess findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Etwa 350 Polizisten sollen einen störungsfreien Ablauf garantieren. Gleich am Ende des ersten Verhandlungstages vor einer Woche hatte Richter Manfred Götzl wegen der Befangenheitsanträge gegen ihn und zwei andere Richter das Verfahren vertagt. Das OLG hat diese Anträge inzwischen abgelehnt.