Zehn Monate nach dem mysteriösen Vierfachmord von Annecy gibt es einen ersten Ermittlungserfolg. Im September vergangenen Jahres wurden eine Familie und ein Radfahrer auf einem Parkplatz in den französischen Alpen erschossen aufgefunden. Die britische Polizei teilte jetzt mit, dass sie einen 54-Jährigen festgenommen hat. Es soll sich um den Bruder des getöteten Familienvaters handeln, der wegen des Verdachts auf Verschwörung zum Mord befragt wird. 

Die Toten waren drei Mitglieder einer irakischstämmigen, britischen Familie, die in ihrem Auto aufgefunden wurden. Der Radfahrer lag neben dem Wagen. Die damals sieben und vier Jahre alten Töchter des getöteten Ehepaares überlebten den Überfall. Eines der Mädchen wurde verletzt in der Nähe des Autos gefunden, das andere wurde erst acht Stunden später unter der Leiche seiner Mutter entdeckt.

Trotz Großfahndung und zahlreicher Zeugenbefragungen konnten die Ermittler auch nach Monaten keinen Tatverdächtigen ausmachen. Sie gingen davon aus, dass die Familie das eigentliche Ziel des Angriffs war und sich der Radfahrer nur "zur falschen Zeit am falschen Ort" aufhielt.

Auffällige Telefonate nach Rumänien

Die britische Polizei teilte nun mit, der Bruder des Getöteten sei wegen des Verdachts "der Beteiligung an einem Mordkomplott" festgenommen worden. Der Staatsanwalt von Annecy bestätigte, dass der Wohnsitz des Verdächtigen ebenso durchsucht werde wie der Golfplatz, dessen Geschäftsführer er ist.

Es gebe "ausreichend Belastungsmaterial" für ein Verhör in Polizeigewahrsam. Der Mann solle unter anderem nach der Familienerbschaft befragt werden. Erst vor wenigen Tagen hatte der Staatsanwalt auf auffällige Telefonate des Bruders mit Teilnehmern in Rumänien verwiesen.

Der Verdächtige war bereits kurz nach dem Vierfachmord verhört worden. Er erschien damals sogar freiwillig bei der britischen Polizei, um seine Unschuld zu beteuern. Ende März wurde er erneut befragt. Angehörige der Familie warfen den Ermittlern jedoch vor, sich einseitig auf die Spur der Familie zu konzentrieren.

Die beiden überlebenden Mädchen konnten der Polizei nicht weiterhelfen: Die Jüngere hatte in ihrem Versteck nichts gesehen, die Ältere, die tagelang im künstlichen Koma lag, konnte sich lediglich an einen "bösen Mann" erinnern.