Das deutsche Schulsystem wird einer neuen Studie zufolge nur sehr langsam gerechter. Nach wie vor steigen deutlich mehr Schüler ab als auf, heißt es in einer aktuellen Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung . Schon in der Grundschule ist demnach der Erfolg stark von der sozialen Herkunft abhängig. Allerdings verlassen weniger junge Menschen die Schule ohne einen Abschluss.

"Insgesamt geht es mit der Chancengerechtigkeit eher im Schneckentempo voran", sagte der Vorstand der Bertelsmann-Stiftung , Jörg Dräger . Die Studie analysiert, wie gerecht und leistungsstark die Schulsysteme der 16 Bundesländer sind. Die Untersuchung vergleicht, ob sich die Bildungschancen im Schuljahr 2011/2012 im Vergleich zum Schuljahr 2009/2010 verbessert haben.

Dabei gab es in den vergangenen Jahren zum Teil kaum Verbesserungen . So liegt der Studie zufolge das Leseverständnis der Grundschüler nahezu auf demselben Niveau wie vor zehn Jahren. Dies ist weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhängig. Kinder aus niedrigen sozialen Schichten liegen bei der Lesekompetenz durchschnittlich ein Jahr zurück.

Positive Entwicklung bei Schulabschlüssen

Im deutschen Schulsystem gibt es auch weiterhin deutlich mehr Ab- als Aufstiege. Auf einen einzigen Wechsel von einer niedrigeren auf eine höhere Schulart in der Mittelstufe kommen 4,2 Wechsel in umgekehrter Richtung. Zwei Jahre zuvor lag das Verhältnis bei 1 zu 4,3.

Positiver ist die Entwicklung bei den Schulabschlüssen: Der Anteil der Schulabbrecher sank um mehr als ein Zehntel von 6,9 auf 6,2 Prozent. Zugleich stieg der Anteil der Schulabgänger mit Hochschulreife auf ein Rekordhoch von 51,1 Prozent.

Schleppender Ausbau der Ganztagsschulen

In der Studie wird auch der schleppende Ausbau des Angebots an Ganztagsschulen kritisiert. Der Anteil der Schüler im Ganztagsbetrieb stieg zwischen den Schuljahren 2009/2010 und 2010/2011 von 26,9 Prozent auf 28,1 Prozent. Lediglich knapp 13 Prozent aller Schüler besuchten gebundene Ganztagsschulen, die für alle Schüler verpflichtend sind.

Wenn sich der Ausbau nicht beschleunige, dauere es noch mehr als 50 Jahre, bis für alle Kinder genug Plätze vorhanden seien, sagte Dräger. "Dabei bietet gerade die gebundene Ganztagsschule gute Möglichkeiten, den Einfluss der sozialen Herkunft zu verringern", ergänzte der Stiftungsvorstand.