Demonstranten haben den zentralen Sitz der regierenden Muslimbruderschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo gestürmt. Das Gebäude im Viertel Mokattam wurde in Brand gesetzt, zahlreiche Protestierende drangen ein. Sie warfen Gegenstände aus den Fenstern und plünderten die Räume. Laut Augenzeugen hielt sich zu Beginn der Erstürmung niemand in dem Gebäude auf. Die Daily News Egypt twitterte, dass mit der Räumung des Hauptquartiers begonnen worden sei. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Die ägyptische Opposition setzte dem umstrittenen Präsidenten Mohammed Mursi ein Ultimatum zum Rücktritt bis Dienstag. Mursi habe bis 17.00 Uhr "Zeit, die Macht abzugeben und es den Behörden zu ermöglichen, eine vorgezogene Präsidentschaftswahl zu organisieren", teilte das Bündnis Tamarod auf seiner Internetseite mit. Sollte der Staatschef der Aufforderung nicht nachkommen, werde es "eine Kampagne des vollständigen zivilen Ungehorsams" geben.

Seit Tagen gibt es große Demonstrationen für und gegen den Staatschef. Bei Protesten Hunderttausender Demonstranten gegen Mursi wurden in der Nacht zum Montag nach Angaben des Gesundheitsministeriums 16 Menschen getötet. Acht von ihnen kamen demnach bei Auseinandersetzungen und Schießereien vor dem Hauptquartier der Muslimbruderschaft in Kairo ums Leben. Das Ministerium zählte zudem 781 Verletzte.

Ein Jahr nach Mursis Amtsantritt ist Ägypten zutiefst gespalten. Während seine Anhänger darauf verweisen, dass er der erste demokratisch gewählte Präsident Ägyptens ist, werfen seine Gegner ihm vor, allein die Interessen der islamistischen Muslimbruderschaft zu vertreten, aus der er hervorging. Tamarod (deutsch: Rebell) sammelte nach eigenen Angaben innerhalb von drei Monaten rund 22 Millionen Unterschriften für Mursis Rücktritt.

Rechtlich gesehen hat das Volksbegehren kein Gewicht, aber sollten die Zahlen stimmen, dann wäre die Zahl der Unterzeichner beinahe doppelt so hoch wie die Zahl der Stimmen, die Mursi im vergangenen Jahr bei der Präsidentschaftswahl erhalten hat. Der größte Verbund von Oppositionsgruppen ist die Nationale Rettungsfront (NSF). Deren Parteien unterstützen Tamarod und helfen beim Sammeln der Unterschriften.