Widdewiddewitt. Ich mach mir die Welt, widdewidde, wie sie mir gefällt. 800.000 neue Kita- und Krippenplätze! Die Statistik der Familienministerin passt und am 1. August hat jede Mia und jeder Max einen Platz. Oder? 

Vielleicht in einem dieser Fünf-Sterne-Rund-um-die Uhr-Betreuungscenter, denn die gibt es tatsächlich: Mindestens einer der drei Pädagogen pro Krippengruppe spricht Englisch oder Französisch als Muttersprache. Auch musikalische Frühförderung, spielerischer Umgang mit dem Computer und Chinesisch-Unterricht gehören zum Programm. Windeln und Biovollwertkost inklusive.

Eltern, die keine 1.000 Euro oder mehr pro Monat für die Betreuung ihrer Kinder ausgeben können, müssen jedoch meist mit der "Villa Kunterbunt" um die Ecke (oder am anderen Ende der Stadt) vorlieb nehmen – und können nicht so genau auf das pädagogische Konzept schauen.

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Die Arbeiterwohlfahrt AWO, die bundesweit mehr als 2.000 Krippen und Kitas betreibt, hatte vor einigen Wochen die Ergebnisse einer internen Umfrage veröffentlicht. Fazit: Kleinkinder werden gemeinsam mit älteren Kindern in immer größeren Gruppen betreut, unqualifiziertes Personal wird eingestellt, ungeeignete Räume werden genutzt. "Wir arbeiten hier ständig hart an der Grenze zu kindeswohlgefährdenden Bedingungen", gibt eine Kita-Leiterin zu.

Nur mit 8-Stunden-Gutschein gibt es einen Platz

Viele Eltern hoffen deshalb, in kleinen Einrichtungen einen Platz zu bekommen – oft umsonst. Beispiel Berlin. Kleine Kitas und Kinderläden in der Hauptstadt nehmen zwar besonders gerne Ein- und Zweijährige auf, denn je jünger das Kind, desto höher der Beitragssatz, den das Jugendamt zahlt. Die Kleinen kommen dann mit den über Dreijährigen in eine altersgemischte Gruppe. So kommt die Kita finanziell einigermaßen über die Runden. Eine noch bessere Rendite bringen Ganztagskinder, denn je mehr Stunden die Kinder betreut werden, desto mehr Geld gibts.  

Dummerweise haben nicht alle Eltern einen Rechtsanspruch auf eine 8-Stunden Betreuung. Mütter und Väter, die nicht belegen können, dass sie auf eine Ganztagsbetreuung angewiesen sind, weil sie zum Beispiel gerade eine Arbeit suchen, bekommen nur einen Halbtagsplatz bewilligt. Diesen Gutschein werden viele Kitas nicht einlösen, denn zu viele Halbtagskinder können für kleinere Einrichtungen zum finanziellen Risiko werden. Auch in Hamburg ist das so. Dort wird Eltern, die "nur" einen Teilzeitgutschein haben, schon mal empfohlen, sich doch mit privaten Zuzahlungen einen Ganztagsplatz zu kaufen.

Auch sonst sind es in Hamburg, Berlin, München oder Wuppertal längst nicht mehr die Eltern, die sich ihre Wunschkita aussuchen, sondern die Kitas suchen sich ihre Wunschkinder (und Eltern). Immer mehr Einrichtungen betreiben inzwischen regelrechte Krippencastings, in denen Eltern und Kinder zu Vorstellungsgesprächen geladen werden. Abgefragt werden die "Qualifikationen" des Kindes (läuft sie schon, braucht er noch Windeln?) und der Eltern (kann Papa Ikearegale zusammenbauen, kann Mama die Website betreuen?). Bewerber, die für die neue Schaukel spenden, rücken auf der Warteliste nach oben.