Auf Arabisch erzählt Nada al-Ahdal in einem verwackelten Videoclip, sie sei vor einer Zwangsheirat geflohen. "Welcher Mensch tut seinem eigenen Kind so etwas an?", fragt das zarte Mädchen mit den braunen, schulterlangen Haaren. Im Titel des Videos heißt es, Nada sei elf Jahre alt und stamme aus dem Jemen.

Der drei Minuten lange Clip wurde am 21. Juli auf der Internetplattform YouTube von einer US-Organisation namens Memri (Middle East Media Research Institute) hochgeladen und bisher millionenfach angeklickt. Seither wird über die Echtheit des Videos spekuliert und darüber, ob politisches Kalkül hinter der Veröffentlichung steckt.


"Es ist sehr schwer einzuschätzen, wie weit dieses Video eine reelle Situation darstellt, da das Mädchen sehr reflektiert und fast wie eine Erwachsene spricht", sagt Jan Kizilhan, Freiburger Psychologieprofessor und Ethnologe. Aber das sei auch nicht ausschlaggebend. "Es ist eine Tatsache, dass im Jemen Kinderehen vollzogen werden. Daher ist dieses Video für eine Diskussion dieses Themas auch in Deutschland von Bedeutung." Kinderbräute sind hierzulande extrem selten. Zwangsverheiratungen gibt es aber schon. 

Angst vor Ferienverheiratung

So fürchten einige Migrantinnen die Sommerferien, weil sie die Angst vor der sogenannten Ferienverheiratung haben. Unter dem Vorwand eines Urlaubs wird eine hier aufgewachsene junge Frau in das Herkunftsland ihrer Eltern gelockt. Dort wird ihr der Pass abgenommen und ein Ehepartner vorgestellt, mit dem sie verheiratet wird. Solche Ehen werden von den Familien oft als Disziplinarmaßnahme gesehen, weil das Kind in den Augen seiner Eltern nicht gehorchen mag. 

Eine 2005 in Hamburg durchgeführte Studie der Lawaetz-Stiftung zeigte, dass sich in rund 60 Beratungsstellen 42 Minderjährige beraten ließen, weil sie Angst hatten, in den Ferien verheiratet zu werden. Eine belastbare Statistik über die sogenannten Ferienverheiratungen gibt es allerdings nicht. Weil aber immer wieder Lehrer nach den Ferien ihre minderjährigen Schüler vermissen, fordert Oliver Malchow, Bundeschef der Gewerkschaft der Polizei, dass Kinder und Jugendliche möglichst früh über Hilfsangebote in Schulen aufgeklärt werden. "Wir wollen, dass die Mädchen in den Klassen vermittelt bekommen: Wenn Du Druck aus dem Elternhaus hast, kannst du auf unsere Hilfe zählen", sagt Malchow.