Spezialisierte Beckenbodenmediziner, Psychologen, Seelsorger – ein Team besonders ausgebildeter Fachleute kümmert sich jetzt in Berlin-Zehlendorf in einem eigens für genitalverstümmelte Menschen eingerichteten medizinischen Zentrum um Betroffene. Das Krankenhaus Waldfriede will künftig Operationen anbieten, die Schmerzen lindern können oder gesundheitliche Folgen wie Beckenbodenentzündungen oder Fisteln beseitigen. Schirmherrin des Projekts ist Waris Dirie , ehemaliges Model und UN-Sonderbotschafterin. Sie eröffnete das Behandlungszentrum auch.

Seit 2002 setzt sie sich Dirie mit ihrer in Wien angesiedelten Desert Flower Foundation für die Rechte afrikanischer Frauen und gegen das jahrtausendealte Ritual der Beschneidung ein. Mit fünf Jahren wurde die gebürtige Somalierin selbst Opfer von Genitalverstümmelung. Dirie stammt aus einer muslimischen Nomadenfamilie und ist eine Frau ohne Alter: In der Wüste wird kein Geburtstag notiert. Um die 40 müsse sie sein, sagt sie heute. Mit etwa 13 floh sie vor einer Zwangsverheiratung. Ihren Lebensweg verarbeitete sie in mehreren Romanen.   

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die Zahl der an den Genitalien verstümmelten Frauen und Mädchen weltweit auf 150 Millionen. Die weibliche Genitalverstümmelung ist nach Angaben der Klinik nicht nur in Ländern Afrikas üblich. "Selbst in Deutschland leben circa 50.000 Opfer mit Genitalverstümmelung", hieß es.

Bei der Genitalverstümmelung werden die äußeren und inneren Geschlechtsorgane teilweise entfernt, und die Scheide der Frauen wird bis auf eine kleine Öffnung zugenäht. Der Eingriff ist ireversibel, operativ lassen sich nur Narbengewebe abtragen, oder die Schamlippen teilweise wiederherstellen. Auch die psychischen Folgen für die Frauen sind gravierend.   

Operationen auch für Nichtversicherte

Die Betroffenen sind aus Sicht der Krankenhauspsychologen oft später "zutiefst traumatisiert". Das Erlebte beeinflusse den Rest ihres Lebens. Entzündungen im Genitalbereich, Inkontinenz, Fistelprobleme, Schamgefühl oder sogar der Tod seien nicht selten die Konsequenz.

Die Kosten für Operationen werden laut dem Krankenhaus für in Deutschland versicherte Patientinnen von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen getragen. Auch Nichtversicherte, etwa aus Afrika geflohene Frauen, könnten auf Unterstützung hoffen. Gemeinsam mit Diries Stiftung werde ein Förderverein Geld einwerben, 

Die Stiftung fördert auch in Afrika Familien mit unbeschnittenen Mädchen finanziell. Dafür müssen die Kinder regelmäßig zum Arzt und die Mütter zur Aufklärung.