Im Prozess um den Abhörskandal bei der britischen Boulevardzeitung News of the World hat die Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe gegen die Führung des inzwischen eingestellten Blattes erhoben. Sie bezichtige die frühere Chefredakteurin Rebekah Brooks, umfassende illegale Lauschangriffe auf Politiker und Prominente initiiert zu haben. Weitere leitende Angestellte sollen in die Aktivitäten eingeweiht gewesen sein.

Die Anklage wirft Journalisten der News of the World vor, über Jahre hinweg Telefone und Mailboxen von Hunderten Prominenten, Angehörigen getöteter Soldaten und Verbrechensopfern abgehört und Polizisten bestochen zu haben. Zu den Opfern zählten Stars wie Paul McCartney , der Schauspieler Jude Law sowie Politiker und Mitglieder der Königsfamilie.

Bei dem Prozess geht es unter anderem um das Abhören der Mailbox eines vermissten britischen Schulmädchens, das 2002 schließlich ermordet aufgefunden wurde. Der Abhörskandal war 2011 ans Licht gekommen. Der Medienunternehmer Rupert Murdoch , zu dessen Konzern News of the World gehörte, stellte das 168 Jahre alte Blatt als Folge der Affäre im Juli 2011 ein.

Die Affäre hatte in Großbritannien eine grundsätzliche Diskussion über die Rolle der Medien ausgelöst. Die britische Regierung setzte eine Kommission zur Aufklärung des Skandals ein. Ein unabhängiger Presserat soll die britischen Medien strenger kontrollieren.

Staatsanwaltschaft vermutet Verschwörung

Die Staatsanwaltschaft präsentierte im Prozess Beweise für die Verantwortlichkeit der Chefredaktion. Drei Journalisten bekannten sich nach Angaben der Anklagevertreter für schuldig. Die Staatsanwaltschaft hält es auch für erwiesen, dass die damalige Chefredakteurin Brooks von 1998 bis 2004 eine Liebesaffäre mit Andy Coulson hatte – einem weiteren angeklagten Verantwortlichen von News of the World und ehemaligem Pressesprecher von Großbritanniens Premierminister David Cameron .

Die Anklage berief sich auf ein Schreiben, das auf Brooks Computer gefunden worden sei. "Was ich mit diesem Brief klarmachen möchte, ist, dass im betreffenden Zeitraum alles, was Herr Coulson wusste, auch Frau Brooks wusste", sagte Staatsanwalt Andrew Edis. Dies sei ein weiterer Beweis für die von der Anklage vermutete Verschwörung.

Die heute 45 Jahre alte Brooks habe gleich nach ihrer Übernahme des Chefredakteurpostens eine für das Ausspähen zuständige Investigativgruppe gebildet. Dafür soll sie einen Detektiv und einen Journalisten angeworben haben. Brooks und Coulson, die nacheinander Chefredakteure von News of the World waren, sollen Zahlungen von mehr als 400.000 Pfund (rund 500.000 Euro) an den Detektiv genehmigt haben.