Hunderte Gemälde des in einer Münchner Wohnung entdeckten Kunstschatzes sollen von kommender Woche an im Internet zu sehen sein. Dies kündigte die Leiterin der Taskforce "Schwabinger Kunstfund", Ingeborg Berggreen-Merkel, an. 

Die Staatsanwaltschaft Augsburg werde alle rund 590 Kunstwerke, "bei denen ein möglicher NS-verfolgungsbedingter Entzug nicht ausgeschlossen ist", bekanntgeben. "Mit der Veröffentlichung auf lostart.de kann die Herkunft der (...) sichergestellten Kunstwerke so rasch und transparent wie möglich festgestellt werden", erklärte Berggreen-Merkel.

Die insgesamt gut 1.400 Bilder waren zunächst unter Verschluss gehalten worden. Dieses Vorgehen hatte heftige internationale Kritik ausgelöst. Eine erste Liste von 25 Bildern mit möglichem Nazi-Raubkunst-Hintergrund war daraufhin veröffentlicht worden. Unter den Werken befinden sich Bilder von Marc Chagall , Eugène Delacroix, Max Liebermann und Otto Dix .

Erben von Max Ernst fordern Zugang zu Kunstwerken

Die Staatsanwaltschaft erhalte zahlreiche Anfragen von Nachkommen jüdischer Verfolgter und anderer Anspruchsteller, sagte ein Sprecher. Alle Anfragen würden geprüft und beantwortet. Wenn ein gesuchtes Bild nicht in der Sammlung sei, gehe die Bearbeitung schnell. In anderen Fällen seien längere Nachforschungen erforderlich.

Am Mittwoch hatten die Erben des Künstlers Max Ernst schriftlich bei der Staatsanwaltschaft Zugang zu den beschlagnahmten Werken Ernsts gefordert, wie der Kölner Anwalt Jürgen Wilhelm mitteilte.

Die Bilder waren in der Münchner Wohnung des Kunsthändler-Erben Cornelius Gurlitt beschlagnahmt worden. Die Staatsanwaltschaft stehe mit Gurlitt zurzeit nicht in Kontakt. "Wir wüssten aber, wo wir ihn erreichen könnten, wenn wir Kontakt haben wollten", sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde. Einen Anwalt habe sich Gurlitt nicht genommen. "Es ist sein gutes Recht, nichts zu sagen." Gurlitt habe die beschlagnahmten Kunstwerke bisher nicht zurückgefordert.