Auf den Philippinen sind durch den Taifun Haiyan nach Angaben der Behörden allein in der Provinz Leyte mindestens 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahl nannte der regionale Polizeipräsident Elmer Soria. Das Rote Kreuz hatte in einer ersten Schätzung mit 1.000 Toten gerechnet. Mehr als eine Million sind vermutlich obdachlos geworden. 

Laut UN sind 4,3 Millionen Menschen betroffen von den Folgen des Taifuns. Besonders betroffen ist die Küstenstadt Tacloban. Dort sind etwa 80 Prozent der Gebäude zerstört. Der Strom ist ausgefallen, es fehlt an Nahrung und Trinkwasser.


Verzweifelte Menschen plünderten in Tacloban auf der Suche nach Essbarem und Trinkwasser Geschäfte, wie Augenzeugen berichteten. Die Polizei schickte Verstärkung in die Stadt. Ein Lastwagenkonvoi mit Versorgungsgütern wurde 20 Kilometer südlich von Tacloban gestoppt und geplündert, sagte Richard Gordon vom Roten Kreuz. Die Notpakete hätten 5.000 Familien versorgen sollen.

"Es ist chaotisch in Tacloban", sagte Roger Marcado, Gouverneur der Nachbarprovinz Southern Leyte. "Geschäfte werden geplündert und die Menschen versuchen sogar, Geldautomaten zu knacken." Ein Ladenbesitzer stand mit gezückter Pistole vor seinem Laden, um Plünderer abzuschrecken.

In der betroffenen Region sind viele Flughäfen zerstört, Häfen beschädigt und Straßen verschüttet. Die kommen Helfer nur langsam voran. Abgelegene Inseln sind noch von der Außenwelt abgeschnitten.

Evakuierungen in Vietnam

In Vietnam wurden wegen des heranziehenden Wirbelsturms 600.000 Menschen in Sicherheit gebracht. Rund 175.000 Haushalte wurden vorsorglich geräumt. Für Zentralvietnam gab es allerdings eine Entwarnung. Das Tiefdruckgebiet drehte in Richtung Norden ab. Über die Philippinen war der Taifun mit Geschwindigkeiten von bis zu mehr als 300 Kilometern pro Stunde gezogen.

Stadt Tacloban stark zerstört

Das Ausmaß der Zerstörung auf den Philippinen ist riesig. "Die Schäden sind überwältigend", sagte Energieminister Jericho Petilla, früher Gouverneur der schwer betroffenen Provinz Leyte im Rundfunk. "Wir haben keinen richtig funktionierenden Flughafen in der Region." Es sei zum Verzweifeln. Die Provinzhauptstadt Tacloban mit 220.000 Einwohnern ist schwer betroffen.

"Die Zerstörung in Tacloban ist schockierend", sagte auch Praveen Agrawal vom UN-Welternährungsprogramms (WFP) nach einem Besuch. Die Organisation will 40 Tonnen angereicherte Energiekekse aus Dubai einfliegen. Sie haben sich in Katastrophengebieten, wo nicht gekocht werden kann, bewährt. Sie enthalten nach WFP-Angaben pro 100 Gramm 450 Kilokalorien und mindestens 10 Gramm Proteine.

Der Tower und das Flughafengebäude von Tacloban wurden zerstört. Auf dem Rollfeld konnten nur Militärmaschinen landen. Helfer schlagen sich zu Fuß und mit Mopeds durch, um die Stadt und andere entlegene Ortschaften zu erreichen.  

Bilder aus der Region zeigen kilometerweit nur noch Trümmerhaufen, wo vorher Hütten und Häuser standen. Große Frachtschiffe wurden in Tacloban mit der meterhohen Sturmflut an Land gespült. Entlang der Straßen liegen überall Leichen, notdürftig mit Planen abgedeckt. In den Trümmern suchen Familien nach Essbarem. Immer wieder regnet es heftig. Familien mit Kleinkindern kauern unter Zeltplanen, die sie notdürftig als Dach aufgespannt haben.

Internationale Hilfe läuft an

Das Rote Kreuz rief im ganzen Land zu Spenden auf und suchte nach Freiwilligen, um kleinere Nothilfepakete für Familien zu packen. Eine lokale Logistikfirma bot umsonst Transport auf seinen Frachtern an. Neben Deutschland haben unter anderem auch Neuseeland, Australien und die USA Hilfe zugesagt.

Die Organisation I.S.A.R. Germany (International Search and Rescue) aus Duisburg schickte 24 Ärzte, Pflegekräfte und Rettungsassistenten. Sie sollen rund 100 Menschen pro Tag medizinisch versorgen. Die Partnerorganisation Action Medeor hatte Medikamente dafür gepackt.