Zwei Tage nach dem Einsturz eines Supermarktdachs in der lettischen Hauptstadt Riga ist die Zahl der Toten nach offiziellen Angaben auf 52 gestiegen. Die Rettungskräfte fanden am Samstagmorgen ein weiteres Opfer in den Trümmern. Zuletzt waren in der Nacht zu Freitag Verletzte gefunden worden.

An der Absperrung um den Unglücksort harrten in der Nacht Angehörige der Opfer aus. Noch immer ist eine Fläche von etwa 150 bis 200 Quadratmeter nicht durchsucht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Leta unter Berufung auf die Polizei. Wegen der akuten Einsturzgefahr gestalteten sich die Rettungsarbeiten schwierig, am Samstag wurden sie vorübergehend eingestellt. Unter den Toten sind auch drei Feuerwehrmänner.

Das Dach des preisgekrönten Gebäudekomplexes in einem Vorort von Riga war am Donnerstagabend eingestürzt. Noch immer ist die Ursache des Unglücks, bei dem auch mehr als 35 Menschen verletzt wurden, unklar. Eine Naturkatastrophe oder einen Terrorakt schloss die Regierung aus. Es gebe Anzeichen dafür, dass gegen Bauvorschriften verstoßen worden sei, sagte Innenminister Rihards Kozlovskis im Fernsehen.

Spekuliert wird über Baumängel und den Ausbau des Gras- und Kiesdachs zu einem Garten und Spielplatz. Wie die britische BBC berichtet , soll auf dem Dach Erde für einen Garten gelagert worden sein. Zudem hat es in den vergangenen Tagen stark geregnet. Laut Augenzeugen soll vor dem Einsturz des Daches ein Feueralarm ausgelöst worden sein – insgesamt rund zehnmal. Das Gebäude sei jedoch nicht evakuiert worden.

Laut BBC hatten die Rettungskräfte in der Nacht immer wieder ihre Bergungsarbeiten unterbrochen und die Verwandten gebeten, ihre Angehörigen anzurufen. Über Klingeltöne wurde versucht, die Opfer zu lokalisieren.

In Lettland hat am Samstag eine dreitägige Staatstrauer um die Opfer begonnen. Bis einschließlich Montag sind viele Konzerte und Kulturveranstaltungen im Land abgesagt worden. Vor dem Einkaufszentrum legen Menschen Kerzen und Blumen nieder.