Im Fall von moderner Sklaverei in London sind weitere Details bekannt geworden: Laut Guardian geht die Polizei einer Spur nach, die auf einen "halb-religiösen" Sektenkult hindeutet. Zwei Quellen, die mit dem Fall betraut seien, hätten der Zeitung die Ermittlungen in diese Richtung bestätigt.

Bereits am Freitag hatte Scotland Yard erklärt, der Fall passe nicht in das Schema von Menschenhandel, Zwangsarbeit und Sklaverei, das von anderen Fällen bekannt sei. "Unsere Experten haben über die Jahre beträchtliche Erfahrungen gesammelt von dem, was Menschen bereit sind zu tun, um andere auszubeuten", sagte Steve Rodhouse von Scotland Yard. "Sie unterscheiden sich von diesem Fall", sagte er.

Bei zwei der drei Frauen – der 57-jährigen Irin und der 30-Jährigen – könnte es sich um Mutter und Tochter handeln, schreibt der Guardian. Vater der 30-Jährigen könnte der 67-Jährige sein, den die Polizei zusammen mit seiner gleichaltrigen Frau der Sklavenhaltung bezichtigt. Die junge Frau hatte offenbar nie eine geregelte Schulbildung erhalten, dennoch könne sie schreiben und lesen. Experten beschrieben sie nach ihrer Befreiung als "intelligent".

Die jüngste der drei Frauen soll nach bisherigen Informationen ihr gesamtes Leben in Gefangenschaft verbracht haben. Nun prüft die Polizei, warum sie nicht vom sozialen System in Großbritannien aufgefangen wurde, schreibt der Guardian . Ihre Geburt sei offiziell registriert worden, es gebe aber keine Aufzeichnungen über die in Großbritannien üblichen Hausbesuche von Hebammen und Sozialarbeitern.

Das vorübergehend festgenommene Ehepaar, das der Sklavenhaltung beschuldigt wurde, war in der Nacht zum Freitag nach eindringlicher Befragung wieder freigelassen worden . Sie stammten nach Angaben der Polizei ursprünglich aus Indien und Tansania und kamen in den 1960er Jahren nach Großbritannien. Die drei traumatisierten Frauen werden seit ihrer Befreiung am 25. Oktober von Experten betreut.