Die lange Zeit unter Abwanderung leidende ostdeutsche Provinz erlebt laut einer Studie gerade eine gegenläufige Tendenz. Viele Menschen, die Ostdeutschland verlassen hätten, kehrten inzwischen in ihre alte Heimat zurück, berichtete die ZEIT. Dabei zögen die Rückkehrer lieber auf das Land als in die Städte. "Am meisten hat uns überrascht, wie sehr die ländlichen Regionen profitieren", sagte Robert Nadler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leipziger Leibniz-Institut für Länderkunde, von dem die Studie stammt.

Jeder Zehnte der seit 1999 aus den ostdeutschen Ländern Abgewanderten sei bereits zurück in der alten Heimat. "Wir haben jetzt Zahlen, die handfest beweisen, dass immer mehr Leute zurückkehren", sagte Nadler. Datengrundlage der Studie ist die Statistik der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland. Diese wertete Nadler zusammen mit einem Kollegen vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus. "Das ist der erste Datensatz, mit dem wir so flächendeckend das Phänomen der Ost-West-Wanderung untersuchen konnten", sagte Nadler.

Der Landkreis Eichsfeld in Thüringen hat laut der Erhebung mit 18,6 Prozent die höchste Rückkehrerquote, gemessen als Zahl der Rückkehrer im Verhältnis zur Zahl der Abwanderer. Viele Heimkehrer gab es auch in ländlichen Regionen wie dem Wartburgkreis, Hildburghausen, Sömmerda und Nordwestmecklenburg. Die geringsten Quoten hatten dagegen Städte wie Frankfurt an der Oder, Jena, Suhl, Gera, Cottbus, Schwerin, Halle an der Saale oder Rostock.

Viele der Rückkehrer stammten aus den gesuchten Berufsgruppen der Ingenieure, Chemiker, Physiker oder Mathematiker. Dagegen fehlte es unter den Rückkehrern an Ärzten und Krankenschwestern.

Eine Studie des Instituts aus dem vergangenen Jahr hatte ergeben, dass sich drei von vier abgewanderten Ostdeutschen eine Rückkehr vorstellen können. Die Bundesregierung hatte kürzlich in einem Bericht festgestellt, dass die Abwanderung von Ost nach West gestoppt ist.