Doch Schwarzer lässt das nicht gelten. Um Ihren Gegnerinnen die Glaubwürdigkeit abzusprechen, diffamiert sie Sexarbeiterinnen und deren Organisationen. Sie seien eine Front von Lobbyistinnen, Profiteurinnen der Ausbeutung, Bordellbetreiberinnen, von Zuhältern gekauft, unzurechnungsfähig. Belege für diese Behauptungen? Fehlanzeige. In Schwarzers Buch Prostitution – ein deutscher Skandal vom letzten November sowie in der aktuellen Ausgabe der Emma wird versucht, die vermeintlich dubiosen Finanzquellen von Sexarbeiterinnenorganisationen wie Hydra e.V. aufzudecken.

Möglichst reißerisch wird dabei angepriesen, dass Hydra – Achtung, Achtung – staatliche Gelder bekommt. Das Familienministerium unterstützt tatsächlich die von Hydra angeboten Ausstiegskurse aus der Prostitution. Ausstiegskurse passen nicht ins Bild der Emma von der "Prostitutionslobby"? Egal, es wird einfach ohne Beweise suggeriert, Hydra würde die Gelder für seine angeblich dunklen Absichten benutzen.

Der Steuerbetrug der Bordellbesitzerin

Die ebenfalls genannte Frankfurter Prostituiertenorganisation Doña Carmen hat sich juristisch gegen Falschbehauptungen und mutwillige Fehlinterpretationen im Buch gewehrt – weshalb der Artikel in der Emma "aktualisiert" werden musste. Bebildert wird der Artikel unter anderem mit einem Bild der Aktivistin Felicitas Schirow, die ein kleines Bordell in Berlin betreibt und mit ihrer Klage im Jahr 2000 beim Berliner Verwaltungsgericht dafür sorgte, dass Prostitution nicht mehr als sittenwidrig gilt. Sie wird als unmoralisch und geldgeil dargestellt: "Felicitas Schirow, geb. Weigmann, hat gut lachen. Die Berliner Bordellbesitzerin, deren privates Hobby Rennpferde sind, erstritt anno 2001 das bahnbrechende Urteil, dass sie ihr Bordell auch in einem Wohnhaus betreiben darf." Genüsslich wird auch auf den Steuerbetrug der Geschäftsführerin eines Flatrate-Bordells hingewiesen.

Übrigens, auch Journalisten, die auf die Schwächen in Schwarzers Argumentation hinweisen, werden ebenfalls gern von ihr diskreditiert. Die Autorin dieser Zeilen weiß, wovon sie spricht.

Wer im Glashaus sitzt, muss deshalb nicht alle Steine für sich behalten. Wenn nur noch kritisieren darf, wer selbst unfehlbar ist, hätte die Demokratie ein arges Problem. Und Schwarzer kommt nach geltendem Recht auch straffrei davon. Die Hetze gegen sie ist deshalb zumindest bedenklich. Aber ihre Doppelmoral ist ebenfalls unerträglich.

Aber ach, da war ja noch was: Doppelmoral sei "besser als keine Moral", hat Schwarzer im Interview mit der Welt behauptet. Na denn …