Der Oscar-Preisträger Woody Allen hat Vorwürfe seiner Adoptivtochter über angeblichen sexuellen Missbrauch als "unwahr und erbärmlich" zurückgewiesen. Seine Sprecherin teilte mit, dass der Regisseur sehr bald auf einen am Wochenende veröffentlichten Brief der 28-jährigen Dylan Farrow reagieren werde. Allen sei in der Angelegenheit niemals angeklagt worden und gerichtlich bestimmte Experten hätten in ihrer Untersuchung des Falls kein Fehlverhalten feststellen können, sagte die Sprecherin.

Die heute 28-jährige Farrow hatte in einem am Sonntag im Blog der New York Times veröffentlichten offenen Brief ihren Adoptivvater beschuldigt, sie im Alter von sieben Jahren sexuell missbraucht zu haben. Dass der Regisseur nie eines Verbrechens verurteilt worden und stattdessen für seine Filme gefeiert worden sei, habe ihr schwer zugesetzt.

Es war das erste Mal, dass Dylan Farrow sich öffentlich detailliert zu dem angeblichen Missbrauch äußerte. Ihre Mutter, die Schauspielerin Mia Farrow, hatte die Vorwürfe 1992 erstmals erhoben, nachdem sie entdeckt hatte, dass ihr Partner Allen ein Verhältnis mit ihrer damals 19-jährigen Adoptivtochter Soon-Yi Previn hatte.

"Egozentrisch, nicht vertrauenswürdig, unsensibel"

Farrow und Allen stritten sich anschließend jahrelang um das Sorgerecht für die Kinder. Der heute mit Soon-Yi Previn verheiratete Allen warf Farrow seinerzeit vor, die Missbrauchsvorwürfe aus Rachsucht konstruiert zu haben und die Kinder in ihrem Sinne zu manipulieren.

In dem Sorgerechtsstreit hatte ein New Yorker Richter die Missbrauchsvorwürfe 1994 für nicht beweiskräftig erklärt. Gleichzeitig kritisierte er Allen als "egozentrisch, nicht vertrauenswürdig und unsensibel". Dem mehrfachen Oscar-Preisträger wurde das Besuchsrecht für Dylan Farrow mit dem Hinweis verweigert, sie könne nicht dazu gezwungen werden, ihren Vater zu sehen. 

In ihrem offenen Brief wirft Dylan Farrow der Filmbranche vor, die Vorwürfe unter den Teppich zu kehren. Hollywood habe sich blind gestellt und Allen bei Preisverleihungen gefeiert.