Auf einer der von Elsässer organisierten Konferenzen sprach im vergangenen Jahr auch Andreas Popp, Unternehmer und Betreiber der Wissensmanufaktur, einem "unabhängigen Institut für Wirtschaftsforschung und Gesellschaftspolitik", Thema: Geld und das Zinssystem.

Der Sozialwissenschaftler Häusler zählt Popp zu den "Gesellianern", die als Lösung aller Probleme die Abschaffung des Zinssystems ausgemacht haben. Häusler hält diese Gruppe für eine Sekte und sieht Anknüpfungspunkte an den nationalsozialistischen Zinskritiker Gottfried Feder.

Popp spricht regelmäßig auf den Konferenzen der verschwörungstheoretischen "Anti-Zensur-Koalition" des Schweizers Ivo Sasek. DVDs dieser Konferenzen werden in Berlin vor dem Podium verteilt, neben der Rede von Popp sind darauf auch Beiträge über Chemtrails und "Genderismus" zu finden, und über "Germanische Neue Medizin".

Auf der Mahnwache am Potsdamer Platz nennt Popp Politiker "Politikdarsteller", die lediglich bezahlt würden, um eine Show für "die Medien" zu veranstalten. Vorher übermittelt er Grüße an die Demonstranten von Sonja Karas aus dem Vorstand der Brandenburger Grünen. Später wird ihre Partei sagen, dass sie sich von dieser Botschaft distanziert und Karas privat auf der Veranstaltung gewesen sei, weil sie Popp kenne. Die Mahnwachen nennt der Grünen-Sprecher "zutiefst besorgniserregend".

Auf den Konferenzen der "Anti-Zensur-Koalition" trat 2009 auch die Hip-Hop-Band Die Bandbreite auf. Auch an diesem Montag am Potsdamer Platz spielen sie, Die Wahrheit heißt der erste Song. Sich selbst bezeichnet der Rapper Wojna als links, in der Vergangenheit stand die Band wegen ihrer antiamerikanischen Haltung und ihrem Hang zu Verschwörungstheorien immer wieder in der Kritik.

Über das diffuse "Die da oben"-Polemik von Popp geht seine Kritik aber nicht hinaus – es gibt keine Programmatik, keinen logischen nächsten Schritt. "Was tun?", fragt er rhetorisch und antwortet sich selbst mit "Flagge zeigen". Er fordert die Zuhörer auf, grundsätzlich alle Wahlen zu boykottieren – und auf das Fernsehen zu verzichten: Die "Mainstream-Medien" hätten jede Glaubwürdigkeit verloren, sagt Popp. "Wir haben keine Firewall im Hirn. Die Manipulation durch die Medien kann deshalb direkt ins lymbische System eindringen."

Unter Fallschirmspringern

Der Berliner Anmelder Märhholz hat bisher als Trainer für Fallschirmspringer gearbeitet und ist politisch noch nicht in Erscheinung getreten. Er sagte ZEIT ONLINE, er habe Popp und Elsässer nicht gekannt, und Jebsen nur einmal beim Fallschirmspringen gesehen.

Vor der ersten Mahnwache habe er Jebsen angeschrieben und gefragt, ob er nicht dort sprechen wolle – und eine Absage bekommen. Beim zweiten Termin stand Jebsen dann plötzlich vor der Bühne, später rief Popp bei Mährholz an, Elsässer hatte am Ostermontag seinen ersten Auftritt. Mährholz selbst sprach nur kurz und überließ den professionellen Verschwörungstheoretikern das Mikrofon.