Ein deutscher Austauschschüler ist im US-Bundesstaat Montana von einem Hausbesitzer erschossen worden. Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum Sonntag in der Stadt Missoula, wie die Polizei mitteilte. Offenbar hatte der Schütze angenommen, dass der 17-Jährige in seine Garage einbrechen wollte. Der aus Hamburg stammende Junge ging in die 11. Klasse der Big Sky High School und starb den Angaben zufolge durch schwere Schussverletzungen am Kopf.

Gegen den Schützen Markus Kaarma wurde jetzt offiziell Anklage erhoben. Ihm wird vorsätzlicher Mord vorgeworfen, wie aus der Klageschrift hervorgeht. Laut Staatsanwaltschaft hatte er zuvor Bewegungssensoren vor seiner Garage angebracht, um Einbrecher zu fassen. In dem Raum selbst habe er ein Videoüberwachungssystem installiert und das Tor offen gelassen. Am frühen Sonntagmorgen seien die Sensoren losgegangen, Kaarma und seine Freundin hätten per Videoübertragung eine Person in der Garage gesehen. Dann sei er mit seiner Schrotflinte hinausgetreten und habe Metallgeräusche gehört, sagte Kaarma vor Ermittlern aus. Er habe Angst gehabt, dass der Eindringling herauskommen und ihn verletzten würde.


Der Notruf bei der Polizei ging am Sonntagmorgen um 22 Minuten nach Mitternacht ein. Berichten von Lokalzeitungen zufolge gibt es keine Anzeichen dafür, dass der 17-jährige Deutsche bewaffnet war. Der Schulbezirk von Missoula bestätigte, dass der Teenager aus Hamburg als Austauschschüler eingeschrieben war.

Weitreichende Rechte für Waffenbesitzer

Montana gehört zu den US-Bundesstaaten, die ihren Bürgern ein besonders weitreichendes Recht auf Selbstverteidigung einräumen. Die sogenannte Castle-Doktrin erlaubt Hausbesitzern die Anwendung von Gewalt, wenn sie sich durch einen Eindringling auf ihrem Grundstück bedroht sehen. Im Jahr 2012 war in Montana ein Mann erschossen worden, als er den Liebhaber seiner Frau in dessen Garage zur Rede stellen wollen. Der Nebenbuhler kam straflos davon, obwohl das Opfer unbewaffnet war.

Vor zwei Jahren hatten die tödlichen Schüsse auf den schwarzen Teenager Trayvon Martin in den USA für Empörung gesorgt. Der unbewaffnete Jugendliche war im Bundesstaat Florida auf dem Heimweg von dem Nachbarschaftswächter George Zimmerman erschossen worden. Zimmerman berief sich damals auf das umstrittene "Stand Your Ground"-Gesetz ("Weiche nicht zurück"), das bei einer gefühlten Bedrohung den Gebrauch von Schusswaffen zur Selbstverteidigung erlaubt. Im vergangenen Sommer wurde er in einem Prozess freigesprochen.

Das Recht auf Waffenbesitz ist im zweiten Zusatzartikel der US-Verfassung verankert. In den Vereinigten Staaten befinden sich bis zu 300 Millionen Pistolen und Gewehre in Privathaushalten. Jedes Jahr sterben in den USA mehr als 30.000 Menschen durch Schusswaffen.