Die Behörden in Chile schließen Brandstiftung als Ursache für den Großbrand in der Hafenstadt Valparaíso nicht aus. Der Chef des Notdienstes Onemi, Guillermo de la Maza, sagte laut dem Nachrichtenportal Emol: "Es hat hier eine menschliche Handlung gegeben, und das untersuchen wir jetzt." Innenminister Peñailillo entgegnete hingegen via Twitter, es gebe keine Anzeichen dafür.

Bei dem Brand sind mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Chilenischen Medienberichten zufolge sind unter den Toten mehrere ältere Menschen, die ihre Häuser nicht rechtzeitig verlassen konnten. Das Feuer ist immer noch nicht ganz unter Kontrolle.

Am Südrand der Stadt auf den Hügeln Rocuant, Pajonal und Ramaditas gibt es nach Medienberichten neue Brandherde. Dieses Gebiet liegt rund drei Kilometer vom historischen Hafen entfernt. Die Behörden forderten die Bewohner von drei südlichen Vororten auf, sich für eine Räumung bereit zu halten.   

8.000 Menschen obdachlos

Starker Wind habe die Flammen an mehreren Stellen wieder angefacht, sagte Innenminister Peñailillo. Rund 2.100 Häuser auf den Hügeln der Metropole brannten bis auf die Grundmauern nieder. Etwa 8.000 Menschen wurden obdachlos.

Die Feuersbrunst erfasste bisher ein Gebiet von 850 Hektar – das ist eine Fläche etwa doppelt so groß wie der Englische Garten in München. "Es ist wahrscheinlich der schlimmste Brand in der Geschichte von Valparaíso", sagte die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet. Sie erklärte für das Gebiet den Notstand.

Die Löscharbeiten könnten noch bis zu 20 Tage andauern, sagte der Chef der Waldwirtschaftskommission Conaf, Alfredo Mascareño, dem Sender Radio Cooperativa.

Verbrannte Geier als mögliche Ursache

Neben dem Verdacht auf Brandstiftung verfolgen die Ermittler auch die These, zwei Truthahngeier könnten für das Inferno verantwortlich sein. Sie sollen sich auf eine Hochspannungsleitung gesetzt haben. Im Wind könnten zwei Kabel sich berührt und entzündet haben, die Geier seien dabei verbrannt. Herumfliegende Funken hätten möglicherweise trockene Blätter am Boden in Brand gesetzt, berichtete das Nachrichtenportal Emol unter Berufung auf Ermittler. Der Leiter des kriminalistischen Polizeilabors von Valparaíso, Claudio Pavez, bestätigte, dass Beweismaterial zu dieser Theorie gesammelt worden sei.   

Das Feuer war am Samstagnachmittag am Rande der Stadt ausgebrochen und hatte sich wegen des starken Windes schnell ausgebreitet. Binnen kurzer Zeit erfasste es rund 40 Hügel an den Randgebieten und drang dann Richtung Stadtmitte vor. In der ganzen Stadt wurden Auffanglager für die Evakuierten eingerichtet.