Der Gesundheitskrieg geht weiter. Zu den neuesten Nachrichten von der Front gehört der Befund kanadischer Forscher (erschienen im Canadian Journal of Cardiology), dass der regelmäßige Verzehr von Fischölkapseln nicht unbedingt gesundheitsfördernd sei. Die vor Jahren aufgestellte Behauptung, der Grönlandbewohner habe deshalb ein gesundes Herz und werde deshalb so alt, weil er fetten Fisch esse und Lebertran trinke, hält offenbar einer strengen Prüfung nicht stand.

Wie schade! Hatten wir uns doch den Begriff der mehrfach ungesättigten Fettsäure mühsam eingeprägt. Und klang nicht die Omega-3-Fettsäure wie ein Heilsversprechen? Unverzagt warten wir nun auf Omega-4-Fettsäure, die von der Pharmaindustrie sicherlich in Kürze auf den Markt gebracht wird, fragen uns allerdings, ob sich die Omega-4-Fettsäure mit der rechtsdrehenden Milchsäure verträgt, die zu bevorzugen wir gelernt haben.

Es geht ja beim Essen bekanntlich nicht darum, satt zu werden. Das ist ein Problem der unterentwickelten Völker. Darüber sind wir hinaus. Essen dient der "Körperpflege und Gesundheitsreinigung", wie Jürgen von Manger trefflich bemerkt hat, und da die Krankheit an der unscheinbarsten Stelle lauert, sich womöglich in schierer Gesundheit tückisch verbirgt, ist wissenschaftlich unterfütterte Vorsorge das erste Gebot.

Die Wissenschaft allerdings weiß es zuweilen auch nicht besser als die kartenlesende Zigeunerin. Die Älteren werden sich noch daran erinnern, dass die armen deutschen Kleinkinder mit Spinat vollgestopft wurden, um einem Eisenmangel vorzubeugen. Das teutonische Ziel, die Nachkommenschaft mithilfe von Gemüse gewissermaßen zu stählen, wurde nicht erreicht, weil der Eisengehalt des Spinats um eine Kommastelle zu hoch angegeben worden war.

Und dann das Cholesterin! Eier waren verboten, Butter und Sahne natürlich auch. Margarine war angesagt, je leichter und geschmackloser, desto besser. Heute sprechen Mediziner von den Gefahren des Cholesterinmangels. War die ganze Aufregung eine Werbemaßnahme der Margarine-Industrie? Das Beste daran waren die unvergessenen Sanella-Alben.

Schon vor vielen Jahren war es in Amerika üblich, dass die Gäste zu privaten Partys ihr eigenes Essen mitbrachten. Dem Gastgeber wäre es unmöglich gewesen, den diversen Diät- und Ernährungsplänen gerecht zu werden. Inzwischen gibt es auch in deutschen Supermärkten Regale mit laktose- und glutenfreien Produkten.

Auch der Gesundheitswahn hat seine Moden. Erinnert sich jemand an die Echinacea-Welle? Wahrscheinlich gab es nie ein derart unschädliches Arzneimittel. Dass die Apotheken Umschau zur beliebtesten deutschen Illustrierten geworden ist, liegt nicht nur daran, dass man sie gratis bekommt. Ratschläge für das richtige, für das gesunde Leben werden gern angenommen, je mehr, desto lieber.

Natürliche Vorgänge wie Essen und Trinken, Atmen und Gehen, Schlafen und Sitzen sind, wenn man sie nur gründlich genug bedenkt, verteufelt kompliziert.