Warum hat Deutschland den Krieg verloren? Das Thema erzeugt in Europa großes Interesse: Keine andere Suchanfrage stellen EU-Bürger so oft wie diese, wenn sie Deutschland googeln. Das ergibt sich aus der Auswertung von Suchmaschinen-Daten, die ZEIT ONLINE in einer Infografik aufbereitet hat.

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Die Daten wurden aus Google Suggest entnommen, dem Tool zum automatischen Vervollständigen von Suchanfragen: Wer in das Google-Suchfenster ein paar Buchstaben oder Wörter eintippt, bekommt Vorschläge zur Vervollständigung der Anfrage. So wird aus "Rechtec" "Rechteck" und aus "Rechteck ist" "Rechteck ist ein Viereck". Die Vorschläge werden von einem Algorithmus erstellt. Dabei ist die Häufigkeit der Suchanfrage zentral, nicht aber allein ausschlaggebend. Eine kurze Erläuterung zur Methodologie gibt es hier.

In diesen Daten lassen sich wiederkehrende Muster finden. Viele sind positiv: Wieso ist das gesuchte Land so schön? Wieso so reich? Deutsche bewundern vor allem die skandinavischen Länder: Dänemark ist das "glücklichste Land der Welt", Finnland das "beste Land der Welt" und Schweden das "schönste Land der Welt". Manchmal beziehen sich Ergebnisse auf Bücher, Zitate oder Ereignisse, wie die Einsicht, dass Dänemark ein toter Eierkuchen ist, oder die Behauptung, Frankreich sei voller Wut auf Fionas Mutter. Nicht alles erschließt sich einem sofort, wenn man die jeweilige Kulturgeschichte nicht kennt.

Deutsche Verschwörungstheorien auch im Ausland bekannt

Was denken die anderen Europäer über uns? Oft gibt es Ergebnisse, die von Verschwörungstheorien herrühren. So fragen Briten, Iren, Österreicher und einige andere, warum Deutschland eine GmbH ist und ob es in Wirklichkeit noch immer ein besetztes Land ist. Solches Gedankengut kennt man hierzulande von selbst ernannten Reichsbürgern, die die Bundesrepublik für ein von den USA kontrolliertes Unternehmen halten.

Skurrile Ergebnisse und Referenzen waren zu erwarten: So funktioniert nun mal das Internet. Ebenfalls in der Natur des Internets liegt eigentlich der Hang zu Ressentiments. Insofern überraschen aber die Google-Daten: Die von der CSU losgetretene Debatte um "Armutseinwanderung" von Bulgaren und Rumänen zum Jahresbeginn spielt keine Rolle: Auch wenn die Frage nach der Armut der Länder vorkommt (so wie bei fast allen anderen auch), wollen Deutsche aber lieber wissen, ob man dort sicher Urlaub machen kann oder warum Nokia sein Werk nach Rumänien verlegt hat. Auch gegenüber den Euro-Krisenländern sind Deutsche ambivalent: Spanien ist zwar verschuldet, aber ein beliebtes Urlaubsziel mit guten Fußballern. Portugal ist arm, aber schön und Griechenland ist die Wiege unserer Kultur, aber eben nicht zu retten. Parolen von "faulen Südländern" bleiben glücklicherweise aus.

Ist Frankreich in der EU?

In Deutschland kommt eine Frage immer wieder, zu allen Ländern: Ist das gesuchte Land in der EU? Es herrscht hierzulande offenbar Verwirrung, wer dazugehört und wer nicht. Das gilt nicht nur für die Staaten, die vor zehn Jahren und weniger mit den Osterweiterungen beitraten, sondern auch für Gründungsmitglieder wie Frankreich und Belgien. Andersherum sieht das anders aus: Nur sieben der 26 untersuchten Länder fragen sich nach der EU-Mitgliedschaft Deutschlands.