Es ist ein "neuer Typ" von Einbrechern, auf den die Polizei Jagd machen will: gut organisierte, mobile Gruppen, die in mehreren europäischen Ländern nacheinander auf Diebestour gehen, so beschreibt es der Innenminister Nordrhein-Westfalens, Ralf Jäger.

Eigentlich hält die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik, die Jäger gemeinsam mit dem Bundesinnenminister präsentierte, gute Nachrichten bereit: In Deutschland geht es weniger kriminell zu, vor allem die Gewalttaten nehmen ab. Doch die Wohnungseinbrüche nehmen zu, sie sind in den vergangenen fünf Jahren sogar um ein Drittel gestiegen. Nun soll sich die Polizei also auf die Banden konzentrieren.

Dabei seien vor allem Großstädte betroffen, und besonders jene mit einer guten Autobahnverbindung, heißt es in einer Mitteilung zur Kriminalstatistik. So könnten die Diebe sich schnell fortbewegen. Wie die Gruppe von Einbrechern, die Ermittler aus NRW fasste: Sie kam aus Lettland und hatte Diebesgut aus Aachen dabei – und war, wie sich herausstellte, zuvor schon in Polen und Belgien unterwegs gewesen.

Solche Fälle kennt man auch bei der Polizei in Bonn: 563,8 Einbrüche pro 100.000 Einwohner hat es dort 2013 gegeben, so viele wie in keiner anderen Stadt. Zwar fallen in die Statistik auch alle Einbruchsversuche, sagt Robert Scholten, Polizeihauptkommissar in Bonn, aber man nehme das Problem ernst. Erfolgreich sei die Polizei vor allem bei Kontrollen an Ausfallstraßen gewesen – und die Auswertung der Navigationsgeräte einiger Tatverdächtiger habe gezeigt, dass die sich in einem großen Radius bewegten.

"Symbolpolitik" nennt der Kriminologe Thomas Feltes diese Kontrollen. Natürlich gebe es Banden, aber der typische Einbrecher sei "jung, männlich und drogenabhängig" – und schlage oft im eigenen sozialen Umfeld zu, etwa Täter, die in Wohnungen der Eltern von Freunden einbrechen.

Tatsächlich geht aus der aktuellen Kriminalstatistik hervor, dass mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen aus der gleichen Gemeinde stammen, in der der Einbruch stattfand. Nur 6,1 Prozent kommen aus dem Ausland. Ob das ein Anstieg ist, ist nicht nachzuvollziehen – in der Kriminalstatistik 2012 fehlt die Aufschlüsselung der Wohnungseinbrecher nach Wohnorten.

Neben den hohen Einbruchszahlen haben die Ermittlungsbehörden aber noch ein weiteres Problem: Nur 15,7 Prozent aller Fälle wurden im vergangenen Jahr aufgeklärt. Das bedeutet umgekehrt: In 84,3 Prozent sind die Täter nicht bekannt, sodass auch nichts über ihren Hintergrund gesagt werden kann.

Im Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags hatte der Kriminologe Feltes schon im vergangenen Herbst gesagt, dass sich auf dieser Basis keine Aussagen zur Täterstruktur machen lassen.

Von den steigenden Einbruchszahlen und dem davon ausgelösten Unsicherheitsgefühl profitieren unterdessen die privaten Sicherheitsdienste: Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft berichtet, ohne genaue Zahlen zu nennen, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Privatleute Sicherheitsfirmen beauftragen, die zwischen Häusern Streife fahren und Einbrüche verhindern sollen. Besondere Nachfrage gebe es in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Der Unionsfraktionsvize und stellvertretende CDU-Parteichef Thomas Strobl hatte das kritisiert: Es dürfe nicht so weit kommen, dass das Gewaltmonopol des Staates keine Akzeptanz mehr finde, sagte er der Welt. Auch aus sozialen Gründen sollte verhindert werden, "dass die einen sich Sicherheit leisten können und andere nicht".

Der Bonner Polizeisprecher Robert Scholten sieht die privaten Dienste dagegen als  "sinnvolle Ergänzung" zur Polizeiarbeit. Allerdings nur, solange die Sicherheitsleute bei Verdacht die Polizei alarmierten. "Wir sind schließlich die Profis." Laut Strobel hat sich für Bonn, die Stadt mit den meisten Einbrüchen, die Lage auch schon wieder gebessert: Im ersten Quartal 2014 habe es knapp 1.000 Einbrüche gegeben, ein Jahr zuvor waren es noch 1.500.