Der Anschlags-Plan auf ein Party- und Tanzlokal im Berliner Süden 1986 war der DDR-Staatssicherheit vorher bekannt. Wie aus jetzt aufgearbeiteten Akten des DDR-Spitzeldienstes hervorgeht, war ein Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi an den Vorbereitungen des Anschlags am 5. April beteiligt, bei dem drei Menschen starben und Hunderte Verletzungen erlitten. 

In den Akten fanden Wissenschaftler der Freien Universität Berlin die Kopie eines Zettels, auf dem als potenzielle Ziele neben La Belle noch zwei andere West-Berliner Diskotheken aufgelistet waren, in denen ebenfalls vor allem amerikanische Soldaten feierten.

Bei ihrer Analyse der Unterlagen zeigte sich, dass die Stasi in den Jahren vor dem Mauerfall vom Westen gesuchte Terroristen abschirmte und überwachte. Auf diese Weise, so die Wissenschaftler des Forschungsverbunds SED-Staat der Freien Universität, habe das Ministerium für Staatssicherheit bereits eine Woche vor dem Anschlag auf die Diskothek erfahren, dass eine Terror-Aktion unmittelbar bevorstand.  

Optimale Fluchtmöglichkeit

Der Inoffizielle Stasi-Mitarbeiter Yasser C. mit Decknamen Alba – ein in Berlin-Kreuzberg wohnender Student der Technischen Universität Berlin aus Palästina – hatte die drei möglichen Ziele ausgekundschaftet, darunter das La Belle. Am 26. März 1986 entschieden sich die Terroristen für das Tanzlokal, da – so der Bericht der Stasi – von dort aus "die Bedingungen für den Rückzug der Attentäter über eine GÜSt (Grenzübergangsstelle, d. Red.) zur Hauptstadt, als am günstigsten angesehen wurden".

Die unter Berlinern vergleichsweise unbekannte Diskothek La Belle war überwiegend von US-Soldaten besucht – Angehörige der damaligen Besatzungsmacht. Touristen besuchten das Lokal so gut wie nie, erinnern sich Augenzeugen. Heute gilt der Anschlag als aufgeklärt. Verena C., ein Callgirl mit Verbindungen zur Stasi, hatte die Bombe mit ihrer jüngeren Schwester gelegt. Später angeklagt wurden auch der Palästinenser, der den Anschlag organisiert hatte und Ali C., der Ex-Ehemann der Haupttäterin. Sie erhielten Haftstrafen zwischen zwölf und 14 Jahren. Libyen erklärte sich 2004 bereit, Geld an Geschädigte zu zahlen.      

Kurras tötete Benno Ohnesorg

Die Verbindungen zur Stasi erhellten die Forscher der Freien Universität Berlin, die seit Jahren das Ausmaß der Überwachung der Westberliner Polizei durch die Stasi untersuchen. Bereits in den frühen siebziger Jahren hatte der DDR-Spitzeldienst laut der Studie etwa 7.200 Beamte mit Dienststellung und Privatadressen erfasst. Nach Einführung elektronischer Dateien und einer Ausweitung der mit der Berliner Polizei befassten Abteilungen konnte die Stasi etwa 80 Prozent der mehr als 20.000 Beschäftigten des West-Berliner Polizeidienstes registrieren.   

In einer ersten Studie hatte der Forschungsverbund herausgefunden, dass die Stasi den Spitzel Karl-Heinz-Kurras beim Staatsschutz der Berliner Polizei platzieren konnte. Der Kriminalobermeister erschoss bei einem Polizeieinsatz gegen Demonstranten am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg. Die Justiz sprach Kurras vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei. Ein Tatvorsatz wurde nie untersucht. Dies radikalisierte die Studentenbewegung in Westberlin stark und begünstigte die Gründung der RAF. Nach Bekanntwerden der Stasi-Verbindung ermittelte die Staatsanwaltschaft erneut. Ein Mordauftrag der DDR ließ sich aber nicht nachweisen, die Beweislage reichte nicht für einen neuen Prozess.