Die Staatsanwaltschaft Gera wird entgegen anderslautender Medienberichte im Zusammenhang mit einem ungeklärten Kindsmord keine Ermittlungen gegen Personen au dem Umfeld der rechtsextremen Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) führen. Das sagte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Jens Wörmann, Spiegel Online.

"Das 1993 eingeleitete Verfahren läuft nach wie vor gegen Unbekannt. Es gibt keine neuen Erkenntnisse", sagte Wörmann. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass die Staatsanwaltschaft Gera untersuche, "ob der spätere NSU-Terrorist Uwe Bönhardt für den Mord an dem neun Jahre alten Jungen im Juli 1993 verantwortlich ist." Die Staatsanwaltschaft halte auch Enrico T., einen mutmaßlichen NSU-Unterstützer, "für einen möglichen Verdächtigen in dem Mordfall", schrieb die dpa.

"Weder Bönhardt noch die andere genannte Person werden in dem Verfahren als Beschuldigte geführt", sagte Wörmann. Strafrechtliche Ermittlungen gegen Bönhardt seien gar nicht möglich, da dieser im November 2011 gestorben ist.

Der neun Jahre alte Schüler Bernd Beckmann aus Jena war am 6. Juli 1993 verschwunden. Zwölf Tage später wurde seine Leiche in einem Gebüsch am Ufer der Saale gefunden. Nahe des Fundorts hatte damals ein weißer Außenbordmotor gelegen, der Enrico T. gehörte.

Wer wusste vom Boot?

Während Polizeivernehmungen im Jahr 2012 soll T. ausgesagt haben, sein Boot und der Außenbordmotor seien ihm geklaut worden, berichtete die dpa. Nur Bönhardt hat demnach gewusst, wo das Boot gelegen haben soll. 

Gegen T. wird wegen der NSU-Mordserie ermittelt. Die Bundesanwaltschaft ist überzeugt, dass er der Terrorzelle die Mordpistole Ceska 83 beschafft haben soll. Mit der Waffe töteten Bönhardt und Mundlos nach Ermittlungen der Bundesanwaltschaft neun ihrer zehn Opfer.