Die Bergung des verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser in den Berchtesgadener Alpen verzögert sich. Die Gruppe legte auf ihrem Weg an die Oberfläche eine Pause ein und wird voraussichtlich erst am Morgen die Höhle verlassen. Ein Sprecher der Bergwacht sagte, das Team sei gegen 5.30 Uhr wieder gestartet und werde etwa fünf Stunden später den Ausgang der Höhle erreichen.  Zuvor waren die Retter von einer Ankunft in den frühen Morgenstunden ausgegangen.

Am Nachmittag hatte die Bergwacht mitgeteilt, dass die Rettung Westhausers weiter nach  Plan verlaufe. Demnach befand sich Westhauser in Betreuung zweier Ärzte in einem Lager unterhalb des letzten Biwaks. Am Höhlenausgang am Untersberg in 1.800 Metern Höhe bereiteten sich die Retter auf seine Ankunft vor.

Die Retter müssen Westhauser mit reiner Muskelkraft frei schwebend über 180 Meter nach oben ziehen. Der Einsatz einer Motorseilwinde wäre zu gefährlich für den Patienten, da es zu Erschütterungen kommen kann. Die Retter benutzen einen Pendelzug: Dabei hängen sie sich als Gegengewichte ins Seil und ziehen die rund 100 Kilogramm schwere Trage nach oben. Danach folgt noch ein enger, verwinkelter Schacht, durch den die Trage hindurch muss. Es war unklar, wo das internationale Retterteam mit Westhauser die Pause einlegte und ob sie die 180 Meter hohe Senkrechte bereits überwunden hatten. 

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In der Nacht war die Rettungsmannschaft erneut ausgewechselt worden, etwa 20 kroatische Höhlenretter entlasten das italienische Team. Insgesamt waren weiter 60 bis 70 Helfer in der Höhle – während der Verletzte rastete, bauten sie den Weg nach oben weiter aus. Die Retter seien angehalten, extrem langsam vorzugehen, um im letzten Streckenabschnitt eine Eigengefährdung durch Steinschläge zu vermeiden, hieß es von der Bergwacht. 

Westhauser hatte am Pfingstsonntag durch einen Steinschlag in 1.000 Metern Tiefe ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Seit vergangenem Freitag wird der Forscher, der die Riesending-Höhle seit Jahren erkundete, von einem internationalen Rettungsteam geborgen.

Die Riesending-Schachthöhle ist die tiefste und längste Höhle Deutschlands. Sie besteht aus teilweise über Hunderte Meter steil abfallenden engen Felskaminen, unebenen Gängen und schlammigen Bachläufen. In der Höhle herrschen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Selbst die erfahrenen Retter bringt diese Umgebung an die Belastungsgrenze.