Die brasilianische Regierung setzt darauf, dass mit dem WM-Anpfiff und Erfolgen der Seleção die Kritik im Land an dem Fußball-Ereignis verstummt. "Was ich mehr und mehr sehe, ist das Willkommenheißen der Teams und die Freude der brasilianischen Bevölkerung über unsere Mannschaft", sagte Präsidentin Dilma Rousseff.

Rousseff kündigte an, dass die Polizei keine Randale während der WM dulden werde. "Wir sind ein demokratisches Land, und wir respektieren das Recht der Menschen zu demonstrieren", sagte sie. Doch es werde nicht die geringste Rücksichtnahme auf Randalierer geben. Die Regierung werde auch die Sicherheit aller Touristen garantieren. 
   

Die Präsidentin stellt sich im Oktober zur Wiederwahl und hofft auf einen WM-Bonus. Sollte die brasilianische Mannschaft schlechter abschneiden als erwartet, könnte dies auch Rousseffs Pläne für eine zweite Amtszeit zunichte machen.

Die WM in Brasilien ist die teuerste in der Geschichte des Fußballweltverbands Fifa. Das Schwellenland lässt sich das Ereignis umgerechnet mehr als acht Milliarden Euro kosten. Viele Bürger sind der Ansicht, dass die Regierung das Geld besser für Gesundheit und Bildung hätte ausgeben sollen.

In São Paulo haben sich die Behörden nach eigener Aussage auf Proteste und Straßenblockaden rund um das erst kürzlich fertiggestellte WM-Stadion eingestellt, das mit Baukosten von 525 Millionen Dollar ein Symbol für die hohen Kosten geworden ist. Das Eröffnungsspiel wird um 17 Uhr (Ortszeit) in São Paulo angepfiffen.

Flughafen-Streik in Rio ohne größere Auswirkungen

Wenige Stunden vor dem Beginn der WM streikt ein Teil des Bodenpersonals an den Flughäfen der Millionenstadt Rio de Janeiro. Ausgerufen wurde der Ausstand von der lokalen Gewerkschaft SIMARJ, die gegen die seit Monaten festgefahrenen Tarifverhandlungen protestiert. Der Streik begann um Mitternacht (Ortszeit) und blieb nach örtlichen Medienberichten in den ersten Stunden ohne größere Auswirkungen.

An Rios internationalem Flughafen Galeão sei es weder zu langen Schlangen noch größeren Wartezeiten gekommen, meldete der Fernsehsender O Globo. Auch die Mitarbeiter der Flughäfen Santos Dumont und Jacarepaguá waren zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Nach einem Urteil eines Arbeitsgerichts werden sich aber nur rund 20 Prozent der Beschäftigten an dem Protest beteiligen, wie die Gewerkschaft mitteilte. Diese fordert mehr Lohn, bessere Arbeitsbedingungen und Bonuszahlungen wegen der WM.

Brasiliens Luftfahrtbehörde Anac teilte mit, sie beobachte die Situation und prüfe mögliche Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Bei den Fluggesellschaften lägen Notfallpläne bereit. 

U-Bahnfahrer beenden Streik

In der WM-Eröffnungsstadt São Paulo ist ein neuer Streik der U-Bahnfahrer abgewendet worden. Die Gewerkschaft beschloss am Mittwochabend den Ausstand nicht fortzusetzen. Sie wird voraussichtlich das Angebot für eine Lohnerhöhung von 8,7 Prozent annehmen.

Bereits seit einigen Tagen streiken in der Metropole die Lehrer und blockieren mit Demonstrationen immer wieder die Straßen. In Natal, wo am Montag die USA ihr erstes Spiel gegen Ghana absolvieren, legten die Busfahrer für mindestens 24 Stunden die Arbeit nieder. Sie fordern 16 Prozent mehr Lohn.