In Russland haben kritische Journalisten einen Aufruf gegen staatliche Mediengleichschaltung verfasst, der auf der Website von Radio Echo Moskau veröffentlicht wurde. Die 16 Journalisten wenden sich darin unter anderem gegen die Blockade unabhängiger Internetseiten, des Fernsehsenders Doschd oder die staatliche Kontrolle sozialer Netzwerke wie VKontakte oder der Suchmaschine Jandex und kündigten an, eine Gewerkschaft zu gründen.  

Die Meinungsfreiheit werde praktisch täglich eingeschränkt, entweder durch Gesetze oder gerichtliche Verfolgung der Internetnutzer, kritisieren sie. Die Regierung nutze ihren Einfluss, um mit einem "in der bisherigen Geschichte gar nicht vorstellbaren Fluss von Lügen und Propaganda" die Einmischung in die Angelegenheiten der Ukraine zu rechtfertigen.

Es sei notwendig, das Berufsbild des Journalisten zu schützen. Dazu sei Journalismus strikt von Propaganda und PR abzugrenzen. Die Mitarbeiter staatlicher Medien seien kaum als Journalisten zu bezeichnen. Zudem fehle es an Solidarität unter den Berichterstattern. "Der Journalismus ist vom Aussterben bedroht, wir haben fast nur noch Propaganda", sagte etwa der Journalist Alexander Ryklin von dem kritischen Nachrichtenportal ej.ru. Es sei für unabhängige Berichterstatter kaum noch möglich, Arbeit zu finden.

Deshalb gründe man nun eine unabhängige Gewerkschaft. Sie soll Journalisten professionell, rechtlich und sozial schützen.

Hilfe für verfolgte Kollegen

"99 Prozent unserer Medien sind staatlich oder auf die eine oder andere Weise vom Staat kontrolliert", zitierte die Seite ostpol.de Igor Jakowenko, den Initiator der neuen Gewerkschaft. Jakowenko war früher Duma-Abgeordneter für die liberale Jabloko-Partei. Ab 1998 führte er als Generalsekretär den Russischen Journalistenverband. 2009 wurde er aus dieser Funktion entlassen, als der Verband immer regierungsfreundlicher wurde.

Journalisten, die im Ringen um die Meinungsfreiheit in Not gerieten oder deren Rechte verletzt würden, will die neue Gewerkschaft helfen. Die Initiatoren verbinden ihren Gründungsaufruf mit einer Solidarisierung mit den unabhängig arbeitenden Kollegen der Ukraine. Gemeinsam mit ihnen wolle man ein "Monitoring der Lügen der Propaganda" implementieren, die die Berichterstattung über die Geschehnisse in Russland und der Ukraine begleiten. Auch Verletzungen der Rechte von Journalisten wolle man zentral erfassen.