Der frühere Anführer der Neonazi-Gruppe Thüringer Heimatschutz, Tino Brandt, ist wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs verhaftet worden. Er sitze in Untersuchungshaft, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Thomas Villwock. Der Verdacht des sexuellen Missbrauchs eines Kindes habe sich nach Zeugenvernehmungen ergeben.

Laut der Thüringer Allgemeinen gibt es detaillierte Aussagen eines zur Tatzeit 15-Jährigen, den Brandt sexuell missbraucht und anschließend an Freier vermittelt haben soll. Gegen Brandt laufen bereits Ermittlungen wegen des Verdachts der Zuhälterei

Nach Informationen der Zeitung wurde seine Wohnung durchsucht, darüber hinaus auch die Wohnungen von mindestens fünf Jugendlichen und Männern, die sich im Auftrag Brandts prostituiert haben sollen. In Brandts Wohnung wurden Mobiltelefone und Computer beschlagnahmt. Diese seien aber noch nicht vollständig ausgewertet worden, sagte Villwock.

Der Zuhälterei-Verdacht ergab sich offenbar während der Betrugsermittlungen, die bereits seit mehr als zwei Jahren gegen Brandt und weitere Beschuldigte laufen. Für sexuellen Missbrauch von Kindern droht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.

Unterstützer des NSU

Brandt führte in den 1990er Jahren die rechtsextreme Organisation Thüringer Heimatschutz, dem zeitweise auch die Mitglieder der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe angehört haben sollen. Nach der Flucht des Trios Anfang 1998 soll er sich an der Unterstützung des späteren NSU beteiligt haben.

Gleichzeitig arbeitete Brandt als V-Mann für das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz. Die rund 100.000 Euro, die er über die Jahre für seine Dienste erhielt, will er nach eigenen Angaben zur Finanzierung der rechtsextremen Szene benutzt haben. Nach seiner Enttarnung im Jahr 2001 trat er als stellvertretender Landesvorsitzender der Thüringer NPD zurück.