Die Nacht kostet 22 Euro. Nur 17 Euro mit Etagendusche. Wer einen One-Night-Stand mit aufs Zimmer nehmen will, zahlt fünf Euro extra. Es sind zivile Preise im Gasthaus Sommerfrische Illingmühle, mit denen die Pension im Internet um Gäste wirbt. Die Herberge liegt an einer Dorfstraße des Orts Reichenau, fast versteckt zwischen zwei Waldstücken im abgelegenen Gimmlitztal. Die Idylle des Erzgebirges, früher war die Gegend bekannt für fast zwei Dutzend Mühlen, die am Bachlauf der Gimmlitz standen.

Im Juli hat die Illingmühle wiedereröffnet, nach mehr als einem halben Jahr Betriebspause. Über den Grund für die vorübergehende Schließung steht in der Werbung nichts: Am 4. November 2013 soll der heute 56-jährige Vorbesitzer Detlev G., der Schwiegervater des jetzigen Betreibers, im Keller des Hauses den 59 Jahre alten Wojciech S. erhängt und zerstückelt haben. Die Leichenteile vergrub er im Garten.     

Schlagzeilen machte die Tat jedoch nicht nur mit ihrer Grausamkeit, sondern auch mit dem Motiv: S. hatte G. darum gebeten, ihn zu töten und anschließend zu essen. In kürzester Zeit wurde der Fall als "Kannibalen-Mord" bekannt. G., ein Polizist des sächsischen Landeskriminalamts, muss sich ab dem 22. August vor dem Landgericht Dresden verantworten. Bis in den November hinein soll verhandelt werden.

Die Tat begann im Internet, in einem Forum für Kannibalismus-Fetischisten. Die meisten Männer, die sich dort austauschen, wollen gemeinsam das Kopfkino laufen lassen. Sie verabreden sich zum Sex mit Scheinhinrichtung. Die Grenze zur Realität überschreiten sie nicht. Doch Anfang Oktober 2013 treffen zwei Nutzer aufeinander, denen das Rollenspiel nicht genügt. Sie tragen die Spitznamen Caligula31 und LongpigHeszla.

Vorstellungen vom Töten und Verzehren

Caligula31 ist Detlev G. Im bürgerlichen Leben ein verlässlicher Typ, vielleicht ein bisschen langweilig. Seit mehr als 30 Jahren bei der Polizei, am Anfang in seiner Heimat Thüringen, zuletzt als Schriftsachverständiger beim LKA in Sachsen. Er ist Vater einer Tochter, mittlerweile verheiratet mit einem Mann.

Wojciech S. hat sich als LongpigHeszla angemeldet. Longpig, das ist im Jargon der Szene ein Mensch, der sich aufessen lassen möchte. Longpig, wie ein Schwein, das sich zur Schlachtbank führen lässt. S. ist gebürtiger Warschauer, lebt aber seit 20 Jahren in Deutschland. In Hannover führt er mit einem Geschäftspartner eine Arbeitsvermittlung für Osteuropäer. Auch er ist Vater einer Tochter, er lebt von seiner Frau getrennt und ist mit seiner Freundin verlobt. Er engagiert sich als Kommunalpolitiker für die CDU.