Die Mehrheit der großen deutschen Nachrichtenmedien verzichtet auf Bilder von der mutmaßlichen Enthauptung des US-Journalisten James Foley durch die Terrormiliz Islamischer Staat. Auch ZEIT ONLINE wird das Material nicht zeigen: "Mit der Publikation der Bilder würden wir uns in den Dienst des IS stellen", sagte der stellvertretende Chefredakteur, Markus Horeld.

"Der IS führt neben dem regulären Krieg einen Propagandakrieg, in dem es – aus Sicht der Terrororganisation – sehr wichtig ist, Bilder, Videos, Ansichten, Drohungen, Einschüchterungen zu verbreiten. Der Mord an James Foley war eiskalt inszeniert, Foley wurde erniedrigt und entmenschlicht. Daran beteiligen wir uns nicht. Dies würden wir tun, zeigten wir die Bilder", sagte Horeld.

Auch andere deutsche Onlineportale, Fernsehsender und Zeitungen verzichten auf die Darstellung der Bilder. Heribert Prantl, Politikchef der Süddeutschen Zeitung, sagte: "Man darf sich nicht zum nützlichen Idioten von terroristischen Verbrechern machen." Die Redaktion sei sich einig, die Bilder nicht zu zeigen.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zeige "grundsätzlich keine sogenannten Schock-Bilder", sagte eine Sprecherin. Eine Notwendigkeit, das Geschehen zu dokumentieren, gebe es nicht.

In der taz wird weder das Video noch ein Foto der Hinrichtung auftauchen. Das gilt für Online und Print, sagte Chefredakteur Andreas Rüttenauer. "Wir wollen sachlich über die Vorkommnisse im Irak berichten. Wir wollen uns nicht von Schockbildern, die von den IS-Kämpfern um die Welt geschickt werden, emotionalisieren lassen und so zum Instrument in deren Kampf werden."

Auch TV-Sender werden Video nicht zeigen

In den Tagesschau-Nachrichten der ARD werden ebenfalls keine Bewegtbilder zu sehen sein. Der Zweite Chefredakteur von ARD Aktuell, Christian Nitsche, sagte: "In der Berichterstattung wird lediglich dokumentarisch ein Standbild aus dem Video gezeigt. Ausgewählt wird eine Totale, es gibt also aus dieser Szene keine Nahaufnahme des Entführten. Wir zeigen auch nicht, dass der Mann hinter dem Entführer später ein Messer in der Hand hält."

Die Nachrichtensendungen und Onlineangebote des ZDF verzichten gänzlich auf das Video. "Wir werden auch keinen Link veröffentlichen, der das Gewaltvideo im Netz auffindbar macht", sagte eine Sprecherin. Das Video verletze in eklatanter Weise die Menschenwürde des Journalisten. "Das ZDF zeigt aus grundsätzlichen Erwägungen der journalistischen Ethik keine Nahaufnahmen von leidenden oder sterbenden Menschen." Fotos mit dem US-Journalisten vor der Hinrichtung zeige das ZDF "allenfalls bearbeitet und in einem Kontext, der die propagandistischen Absichten der IS deutlich benennt".

Auch der Privatsender RTL wird das Video nicht wiedergeben: "Wir werden nur Standbilder nehmen, ohne dass das Messer im Bild ist", sagte ein Sprecher. Der Sender werde den US-Journalisten dabei verpixeln. "Wir wollen keine Propaganda verbreiten und das Opfer auch nicht in der erniedrigenden Szene zeigen. Es geht lediglich darum, die menschenverachtende Tat zu dokumentieren."

Twitter will Bilder des getöteten Journalisten blockieren

Auch die Nachrichtenagentur dpa distanziert sich von den Bildern und wird diese nicht in Umlauf bringen: "Der unmittelbare Blick auf die Todesangst eines Menschen gehört nicht in das Angebot der dpa", sagte Chefredakteur Sven Gösmann. Es werde nur ein Foto mit verpixeltem Gesicht angeboten. "Dass wir das Bild unseren Kunden überhaupt zur Nutzung angeboten haben, halten wir allerdings für journalistisch geboten, denn es ist ein wichtiges zeitgeschichtliches Dokument", sagte Gösmann.

Auf Twitter kursieren die Bilder noch, auch Links zu dem Video sind weiterhin zu finden. Der Dienst kündigte jedoch an, er werde Konten sperren, wenn diese mit diesen Darstellungen in Verbindung stünden, twitterte Firmen-Chef Dick Costolo. Sprecher Nu Wexler verwies auf die Nutzungsbestimmungen, wonach Verwandte eines Verstorbenen die Entfernung solcher Bilder verlangen könne.

Der Deutsche Presserat hat als Selbstkontrollorgan Regeln für den Umgang mit Gewaltdarstellungen aufgestellt. Eine Veröffentlichung von Bildern Foleys etwa kurz vor seiner Ermordung aus Informationsgründen und Ereignis der Zeitgeschichte sei zwar denkbar, sagt Geschäftsführer Lutz Tillmanns. Doch sollte das Opfer auf jeden Fall unkenntlich gemacht werden. "Wer Bilder veröffentlicht, auf denen der Journalist erkennbar wird, macht sich ethisch angreifbar."