Die Glastür des Hamburg Welcome Center gleitet auf, Muhammed Karasu geht über einen roten Teppich zum Empfangstresen, vorbei an schneeweißen Säulen. Von der gewölbten Decke hängen Lampen wie aus einem skandinavischen Designkatalog. Der 32-Jährige – randlose Brille, Pausbäckchen – will sein Visum um drei Monate verlängern. Vorn empfängt ihn gleich eine Sachbearbeiterin, keine Sekretärin: Just a moment, please have a seat. Herr Karasu sinkt in einen flauschigen Sessel. Das soll eine Ausländerbehörde sein?

Endlose Schlangen, Nummern ziehen und graue Büros. Wenn Michael Möller über seinen alten Job bei der Ausländerabteilung Hamburg-Nord erzählt, klingt es eher nach Behörde. "Das war Massenabfertigung", sagt der Sachbearbeiter. "Die Leute kamen meist aus schwierigen sozialen Verhältnissen, oft musste ich Anträge ablehnen." Auf dem Amt sprach man Deutsch. Wer die Sprache nicht konnte, musste sich einen Dolmetscher besorgen.

Heute berät Möller in einem verglasten Büro in den Räumen der Handelskammer, das Welcome Center residiert auf zwei Fluren. Bevor ein Gast Platz nimmt, schaltet der Sachbearbeiter sein Telefon jetzt immer auf lautlos, so läuft das hier. Die deutsche Wirtschaft ringt um ausländische Fachkräfte, die heißen hier konsequent Kunden oder Neubürger, keiner spricht von Antragsstellern.

Welcome Center wie in Hamburg sollen das Image des Landes aufpolieren. Bis in die neunziger Jahre galt der Satz: Deutschland ist kein Einwanderungsland. Das war einmal: Im vergangenen Jahr wanderten laut Statistischem Bundesamt 437.000 Menschen ein, Tendenz steigend. Experten nennen Deutschland schon das neue Zuwanderungsmekka.

Die Deutschen, hilfsbereit und ausgeglichen

In ganz Deutschland verändert sich deshalb die Kultur der Ämter: Sachsen krempelte 2011 seine Behörden komplett um, in Essen eröffnete im vergangenen Jahr ein Willkommenszentrum, Stuttgart baut gerade. Hamburg gilt noch immer als Vorzeigebeispiel, die Business-Class unter den Ausländerbehörden, seit 2007 für Fachkräfte da. In anderen Städten stellten die Behörden dafür nur ein paar Sachbearbeiter mehr ein, entfernten die Sicherheitsscheibe zwischen Beamten und Antragstellern und stellten ein paar Blumen ins Regal.

Möller fragt: Können Sie Deutsch? Ein bisschen, sagt Karasu. Er ist Beamter im türkischen Innenministerium und lernt ein Jahr lang, wie die deutsche Verwaltung funktioniert. Ende Oktober fliegt er zurück in die Türkei, ein letztes Mal verlängert er seinen Titel. Karasu blättert die Unterlagen hin – Meldebestätigung, Krankenversicherung, Passfoto. Die Deutschen, ja, die seien hilfsbereit und ausgeglichen, nicht so aufbrausend wie die Türken. Besonders beeindruckt ist Karasu von der U-Bahn, die kommt immer so pünktlich. Er ist erst seit Kurzem hier.

Vorurteile? Naja, sagt der Sachbearbeiter Möller, durch die täglichen Erfahrungen in der Ausländerabteilung in Hamburg-Nord habe er schon eine spezielle Meinung über manche Bevölkerungsgruppen entwickelt. Er schnippelt das Passbild von Karasu zurecht, dann pappt er den Aufenthaltstitel in den Pass – alles klar, das kostet 15 Euro. Karasu stutzt: "Muss ich nicht 30 Euro zahlen?" Möller ist verblüfft: Stimmt. Wahrscheinlich käme der türkische Beamte auch ganz gut allein zurecht, von den meisten Asylbewerbern und Flüchtlingen, die Möller früher betreute, konnte man das nicht sagen.