Weltweit sind Kinder in ihrem täglichen Lebensumfeld nach Einschätzung von UN-Experten einem "erschreckenden Ausmaß an körperlichen, sexuellen und seelischen Misshandlungen" ausgesetzt. In vielen Fällen würden Familienmitglieder, Nachbarn, Freunde und Mitschüler systematisch Gewalt ausüben, ohne dies bedenklich zu finden, heißt es der Studie Hidden In Plain Sight des UN-Kinderhilfswerks Unicef. Dies sei das Ergebnis "der bis heute umfassendsten Datensammlung zu Gewalt gegen Kinder" in 190 Ländern.

Körperliche Züchtigung, sexuelle Gewalt und selbst tödliche Übergriffe sind demnach in vielen der untersuchten Länder noch immer an der Tagesordnung. Das Leid der Kinder und die teils lebenslangen Folgen würden vielfach verdrängt oder übersehen. Regelmäßiger Gewalt ausgesetzte Heranwachsende haben laut Unicef nicht nur häufiger Lernprobleme, entwickeln ein geringeres Selbstvertrauen und leiden öfter unter Depressionen – sie neigten auch besonders dazu, sich später in Konflikten mit ihren eigenen Kindern oder Partnern ähnlich zu verhalten.

Auch zum Thema sexuelle Gewalt weiß die Studie Alarmierendes zu berichten. "Etwa 120 Millionen Mädchen unter 20, jedes zehnte, hat schon erzwungenen Geschlechtsverkehr oder andere erzwungene sexuelle Akte erfahren", heißt es in dem Bericht. Dabei gibt es erhebliche regionale Unterschiede: Von den 18 Ländern Schwarzafrikas, von denen es zuverlässige Daten gebe, liege die Quote vergewaltigter Mädchen in 13 Ländern bei mehr als zehn Prozent. In Mittel- und Osteuropa seien es hingegen weniger als ein Prozent.

Eine Milliarde Kinder wird regelmäßig geschlagen

Auch Jungen werden Opfer sexueller Gewalt, allerdings seltener. Auch hier sind die Täter in aller Regel bekannte Menschen. Gerade in afrikanischen Ländern sei die Zahl sehr hoch, aber auch in der Schweiz und in den USA hätten Studien erschreckende Daten ergeben.

Allein im Jahr 2012 wurden den Angaben zufolge weltweit rund 95.000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren ermordet, die meisten davon in Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem in Lateinamerika und der Karibik. Laut Unicef sind zudem drei von zehn Erwachsenen weltweit der Meinung, dass körperliche Züchtigung zur Erziehung gehöre, um ein Kind zu disziplinieren. Etwa 60 Prozent aller Kinder zwischen zwei und 14 Jahren – das sind eine Milliarde – würden regelmäßig geschlagen. Jedes sechste Kind erfahre die gefährlichste Form solcher Bestrafungen – Schläge auf den Kopf oder besonders harte Schläge.

Gleichzeitig würden aber nur 30 Prozent der Eltern weltweit sagen, Körperstrafen seien notwendig in der Erziehung. Diese Zahl wird allerdings höher, je geringer der Bildungsstand ist. In Ländern wie Ägypten, dem Jemen und im Tschad würden sogar 40 Prozent der Kinder mit Prügel bestraft.  

Bei körperlicher Gewalt gegen Kinder schneidet Deutschland verhältnismäßig gut ab. Die Zahlen liegen etwas unter Österreich und Spanien und deutlich unter denen Frankreichs.

Unicef rief dazu auf, gerade Eltern mit geringem Bildungsstand besser aufzuklären und das Selbstbewusstsein von Kindern gezielt zu stärken. Auch die Gesetzgeber stünden in der Pflicht, durch Rechtsreformen wirksamen Kinderschutz zu gewährleisten.