Der Leiter der Asylunterkunft im nordrhein-westfälischen Burbach räumt ein, dass es in dem Heim einen Ausnüchterungsraum gab, der auch anders genutzt worden sei. "Es gab immer wieder Probleme mit dem Alkoholkonsum", sagte Ricardo Sichert dem Onlineportal Der Westen. Mit Blick auf die Vorwürfe in dem Heim sagte er, der Raum sei zweckentfremdet worden. Offenbar wurden Asylbewerber dort eingesperrt.

Am Wochenende war bekannt geworden, dass in der Unterkunft Asylbewerber von Mitarbeitern eines privaten Sicherheitsdienstes schikaniert und misshandelt worden sind.

Von den Praktiken der Sicherheitsfirma will der Leiter der Unterkunft nichts gewusst haben. Ihm oder seinen Mitarbeitern sei das nicht aufgefallen, sagte Sichert. Was ihm aber durchaus auffiel, war die Veränderung des besagten Zimmers. Es habe nach und nach an Qualität verloren.

Die Möbel seien verschwunden, am Ende habe nur noch eine Matratze dort gelegen. "Anfang August haben wir diesen Raum geschlossen. Dort konnte man niemanden mehr würdig unterbringen", sagte Sichert. Den Betreiber der Asylunterkunft, die Firma European Homecare, nahm Sichert in Schutz. Ziel sei nie gewesen, eine Arrestzelle zu etablieren.   

Schläge zur Ruhigstellung

Einer der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes bestätigte Spiegel Online die Misshandlungen eines der Asylbewerber. Von der Szene gibt es ein Video. Darauf ist ein Mann zu sehen, der in seinem eigenen Erbrochenen auf einer Matratze sitzt. Eine männliche Stimme droht ihm Prügel an, wenn er sich nicht hinlegt. 

Der Asylbewerber sei trotz des Alkoholverbots immer wieder stark betrunken gewesen, sagte der Wachmann. Er habe randaliert und ein Kollege habe schließlich zugeschlagen. "Das ist doch das Einzige, was wir machen dürfen", sagte der Mitarbeiter der Sicherheitsfirma, der zugibt, den Asylbewerber bedroht zu haben. "Es war nicht nett, aber ich wollte ihn zur Ruhe bringen."

Es existiert auch ein Handy-Foto einer anderen Szene. Darauf sind zwei Sicherheitsleute und ein gefesselt am Boden liegender Mann zu sehen. Ein Wachmann drückt das Opfer mit seinem Stiefel nach unten.

Wachleute sprechen von fremdenfeindlichen Mitarbeitern

Dem Onlineportal Der Westen zufolge sprechen andere Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes von systematischen Schikanen gegen die Asylbewerber. Demnach wurde eine interne Streife als "SS-Truppe" bezeichnet, in sogenannten Problemzimmern seien Asylbewerber über Stunden eingeschlossen worden. Unter den Wachleuten seien auch Rechtsradikale gewesen. Es gäbe Beweise dafür. Die Berichte der Mitarbeiter, mit denen sie sich selbst belasten, wurden an Medien weitergegeben. Teile davon sollen auch in Polizeiaussagen festgehalten sein.

Die Staatsanwaltschaft Siegen ermittelt insgesamt gegen fünf Verdächtige wegen gefährlicher Körperverletzung. Belastbare Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund gebe es bislang nicht, sagte ein Behördensprecher auf Anfrage.