Die von der Ebola-Seuche betroffenen Länder Westafrikas haben sich mit einem dramatischen Hilfsappell an die Welt gewandt. "Unsere Menschen sterben", sagte der Präsident von Sierra Leone, Ernest Bai Koroma. Es handele sich um eine "Tragödie, wie man sie in modernen Zeiten nicht erwartet". Nötig seien Millionen Dollar, Hunderte Ärzte und Tausende Krankenschwestern. Der Präsident von Guinea, Alpha Condé, bat ebenfalls um mehr Geld, Hilfsgüter, Medikamente und Unterstützung bei der Ausbildung von Personal. Die Lage sei sehr fragil.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon drängte die internationale Gemeinschaft, 20 Mal so viel Hilfe zu leisten wie bislang zugesagt. Weltbankpräsident Jim Yong Kim mahnte, es müssten rasch mehr Krankenhäuser und Gesundheitszentren errichtet werden. Die Westafrikaner müssten sicher sein, dass sie die nötige Hilfe bekämen.

Die internationalen Bemühungen laufen gleichzeitig, aber langsam an. Auch die Bundeswehr startete Transportflüge vom Senegal ins Seuchengebiet. Ein Vorausteam der Bundeswehr soll am morgigen Freitag in die liberianische Hauptstadt Monrovia fliegen, um bis Mitte November weitere Hilfe vorzubereiten. Dort soll eine Klinik mit 50 Betten entstehen.  

In Westafrika sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation inzwischen fast 3.900 Menschen an der Virusinfektion gestorben. In Liberia erlag abermals ein Arzt der Krankheit, der in Uganda geborene John Taban Dada. In Spanien verschlechterte sich der Zustand der Krankenschwester, die sich bei einem aus Westafrika eingeflogenen Patienten mit Ebola angesteckt hatte. In Leipzig traf ein Mann aus Liberia zur Behandlung ein, der dritte Ebola-Patient in Deutschland. 

Liberia sagt wegen Ebola-Epidemie Senatswahl ab

Liberia ist mit am schwersten von der Epidemie betroffen. Mehr als die Hälfte der fast 3.900 in Westafrika gezählten Ebola-Toten kamen aus dem Land. Wegen der Epidemie haben die Behörden die für kommenden Dienstag geplante Senatswahl verschoben. Die landesweite Abstimmung von drei Millionen Wahlberechtigten über die Hälfte der Mandate sei angesichts der momentanen Lage nicht zu verantworten, teilte die von der Wahlkommission um Aufschub gebetene Regierung mit. Ein "Massenauflauf von Menschen" bedeute in der jetzigen Situation potenzielle Lebensgefahr für die Beteiligten.

Die USA haben insgesamt 4.000 Militärangehörige als Helfer zugesagt. Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon sagte, mehr als 750 Soldaten sollten beim Aufbau von Behandlungszentren und einer Ausbildungsakademie helfen. Auch sollten Armeeärzte und Helikopter direkt Hilfe leisten. Die ersten britischen Soldaten werden kommende Woche in Sierra Leone erwartet. Ingenieure und Planer sind dort bereits zur Vorbereitung. Die USA entsandten dorthin mehrere Transport- und Tankflugzeuge, um beim Kampf gegen die Seuche zu helfen.